Gedanken zum Sonntag

von Pfarrer Edwin Dedekind, Evangelischen Kirchengemeinde Bendorf

Von Pfarrer Edwin Dedekind
Evangelischen Kirchengemeinde Bendorf

 

In den letzten Wochen begleiten uns die Bilder vom Ahrtal. Bilder von Zerstörung, Trauer, Tod, Hoffnungslosigkeit, Schlamm und vor allem von Menschen, die leiden. Der Monatsspruch aus 2. Könige 19,16 könnte von uns stammen: „Neige, Herr, dein Ohr und höre! Öffne, Herr, deine Augen und sieh her!“ Wir könnten diese Worte schreien: Herr höre, Herr, siehe hin!
Was machen wir mit dem, was wir erleben? Wie verarbeiten wir die Gedanken und Bilder, die wir sehen? Wie geht man mit dem Trauma von zerstörten Existenzen und verlorenem Menschenleben um? In einigen Wochen oder Monaten werden die Helfer sich zurückziehen, Straßen  und Brücken werden nach und nach repariert werden.  Vielleicht werden manche Häuser wieder bewohnbar sein. Aber Fragen nach dem „Warum“ und die Prozesse der Trauma-Bewältigung bleiben. Wer betroffen ist, muss sich neu orientieren und mit Verlust und  Schmerzen zurechtkommen.  Eine Person, die vor den Trümmern des eigenen Hauses stand, sagte: „Wir werden das Haus wieder hinbekommen, aber alles hat sich verändert.“ Aus meiner Glaubenserfahrung würde ich mit meinen Fragen, meiner Trauer, Wut und Ohnmacht  zu Gott gehen und schreien: „Herr, höre! Herr, siehe hin!“ Ich habe immer wieder erlebt, wie Menschen in der Gegenwart Gottes spüren, wie er da ist, wie er in unseren Herzen wirkt und neue Kraft schenkt. Mir fällt eine Person ein, die auch Trauma bewältigen musste und Gott um eine Umarmung gebeten hat. Die Umarmung Gottes, die diese Person erlebt hat, hat ihr Leben verändert. Die Bibel lehrt uns, dass wir in einer Welt leben, die nicht so ist wie Gott sie wollte. Es ist eine gefallene Welt. Gott kommt aber in diese Welt hinein und will für uns da sein. Er will den Weg, den wir gehen, mit uns gehen und will uns heilen. Es ist mein Gebet in dieser Zeit, dass viele mit ihrem Leid vor Gott kommen und seine Gegenwart und Heilung erfahren dürfen.