Lebkuchen - Vorgeschmack auf Weihnachten

Von Pfarrerin Vera Rudolph Evangelische Kirchengemeinde Koblenz-Lützel

Von Pfarrerin Vera Rudolph
Evangelische Kirchengemeinde Koblenz-Lützel

Anfang Advent wird gebacken. Die Kinder mögen neben Butterplätzchen und Kipferln besonders die Lebkuchen: Aus ihnen gestalten wir Häuschen, die mit Süßigkeiten verziert und von Gummibärchen bewohnt werden. Lebkuchen: Die schmecken nach Advent!

Im Mittelalter waren Lebkuchen eine Fastenspeise, die ohne Fett und Milch auskam. Dadurch waren sie lange haltbar und konnten gut gelagert werden. Wenn im Winter die Vorräte knapp wurden, verteilte man in den Klöstern Lebkuchen an die Armen. Diese profitierten doppelt von der Speise, denn Lebkuchen enthielten schon damals viele gesunde, heilsame Gewürze. Den Energiespender Zimt, schleim- und krampflösenden Anis, Appetit anregenden Kardamom, schmerzlindernde Gewürznelken und kreislaufanregenden Ingwer.

In den klösterlichen Backstuben hatte die Zubereitung der Lebkuchen stets eine tiefere Bedeutung: Während wir heute gerne auf Gewürzmischungen zurückgreifen, achtete man genau auf die Zusammensetzung der Rezeptur. Sieben Gewürze sollten es sein, denn an sieben Tagen schuf Gott die Welt. Viel Honig musste enthalten sein, denn im Reich Gottes fließen Milch und Honig. Mancher Lebkuchenbäcker prägte fromme Bilder in den Teig. So bekamen die Armen zugleich einen Trost für die Seele. Lebkuchen - die schmecken nach Advent.

Im Advent bereiten wir uns darauf vor, dass Gott als Mensch zur Welt kommt. Wir warten und singen: "Der Heil und Leben mit sich bringt, der Heiland aller Welt zugleich". Heil und Leben kommen in die Welt. Der Lebkuchen ist ein Vorgeschmack darauf, wie das sein wird: süß und anregend, heilsam und Not lindernd; uns werden Freude und Genuss zuteil. Wenn wir daran denken, schmecken Lebkuchen gleich ganz anders.

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