Demut?

Von Reinhard Behnke, Landespfarrer für Polizeiseelsorge, Koblenz

Von Reinhard Behnke,
Landespfarrer für Polizeiseelsorge, Koblenz

Demut? Als Kind mochte ich dieses Wort nicht. Es klang wie: Ordne Dich unter. Ich sah aber keinen Grund, mich unterzuordnen. Stattdessen schien es mir, als seien diejenigen, die mich zur Demut auffordern, ein wenig überfordert mit mir. Sie sagten Demut, schienen aber in Wirklichkeit sagen zu wollen: Nimm Dich nicht so wichtig. Sie wählten die Demut, weil die moralisch wertvoller, gewichtiger klingt.

Nach vielen Jahren begegnete ich diesem durchaus gewichtigen Wort in einem neuen Zusammenhang. Ich las: „Demut heißt, sich nicht vergleichen.“ Das weckte meine Aufmerksamkeit. Denn wer kennt nicht die Zwiespältigkeit, die darin liegt, sich mit anderen zu vergleichen. Geht es uns schlecht, erinnern wir uns manchmal an Menschen, denen es noch schlechter geht. Unsere Not relativiert sich - allerdings nur kurz. Dann bedauern wir uns wieder. Oder wir vergleichen uns mit denen, denen es besser zu gehen scheint als uns: Da sind z.B. die Kinder von Freunden, die in der Schule besser sind als die eigenen. Doch dieser Vergleich verstärkt unsere Unzufriedenheit.

Demut heißt, sich nicht vergleichen. Was ist gemeint? Es ist einfach und anspruchsvoll zugleich: Mein „Hier und Jetzt“ gelten lassen; meine aktuelle Wirklichkeit annehmen. Dann stellt sich eine leise innere Heiterkeit ein. Ich glaube, Demut geht einher mit dem vorbehaltlosen Anschauen des eigenen Lebens, jeden Tag neu. Insofern ist Demut eine Lebensaufgabe. Den Vergleich ruhen lassen. Frieden schließen mit mir selbst und dem, was ist, Leichtem wie Schwerem. Aufhören, es zu bewerten. Das gelingt nicht immer und auch nur dann, wenn wir uns selbst wichtig nehmen. Wir sind wichtig, nicht weil wir besser sind als andere, sondern weil wir die sind, die wir sind.