Zwischen Neujahr und Weihnachten

1. Sonntag nach Epiphanias

Von Pfarrerin Vera Rudolph
Evangelische Kirchengemeinde Koblenz-Lützel

 

„Dick wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten.“ – dieses Zitat aus unklarer Quelle lässt der Theologe Wolfgang Raible leicht umformuliert zum guten Vorsatz werden: „Christ wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten.“ So wirbt er auf humoristische Weise dafür, die guten Impulse des Festes mit durchs ganze Jahr zu nehmen. Seinen Vorschlag, die Krippenfiguren zum Vorbild zu nehmen, greife ich in veränderter Form auf: Von Maria hören wir, dass sie alles, was in der Weihnacht geschah, in ihrem Herzen bewegte. Das möchte ich auch: Im Herzen, im Sinn behalten, was mich an den Feiertagen erfüllt hat und noch lange davon zehren. Vom Zusammensein mit anderen, von Ruhe und Besinnlichkeit, von gemeinsamen Singen und Musizieren, von den Aufmerksamkeiten und guten Wünschen. Josef, der stille Geselle, träumt dreimal von himmlischen Boten und setzt ihre Worte in die Tat um. Von ihm können wir uns abschauen, auf unsere Träume zu hören und Verantwortung zu übernehmen. Nicht nur für unser eigenes Leben, sondern auch für das der Menschen, die uns anvertraut sind, für unsere Gesellschaft und die Welt, in der wir leben. Die Hirten stellen wir uns an der Krippe kniend vor. Danach brechen sie auf und erzählen von ihrem Glauben. Demut erscheint altmodisch wie die Krippenfiguren; doch scheint es mir weise zu sein, sich selbst hin und wieder nicht so wichtig zu nehmen. Lauter kann es dann werden, wenn wir von unserem Glauben erzählen oder ihn sichtbar in den Alltag mitnehmen. Die drei Könige machen mir Mut, mich auf Unbekanntes einzulassen und mich auch in diesem Jahr Gott anzuvertrauen. „Christ wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten.“ Die Krippenfiguren packen wir bald ein – doch ihre Botschaft nehmen wir mit. Ein gutes neues Jahr!

 

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