Wer betet, kann den Krieg nicht segnen
Miserikordias Domini
Von Prädikant Dr. Andreas Metzing
Koblenz-Arzheim
Wenn Politiker, wie jüngst der US-Kriegsminister, dazu aufrufen, für den Sieg zu beten oder gar dafür, dass „jede Kugel ihr Ziel trifft“, dann wird es heikel. Denn hier wird vermischt, was nicht zusammengehört: der Glaube an Gott und die Logik des Krieges. Das Gebet ist kein Hilfsmittel zur Steigerung der Zielgenauigkeit von Waffen. Wer so spricht, instrumentalisiert Gott für militärische Gewalt. Das ist mehr als ein schiefer Ton – es ist, wie der Münchner Kardinal Reinhard Marx in seiner Osterpredigt treffend sagte, eine schamlose Gotteslästerung. Denn der Gott der Bibel ist kein Kriegsgott, sondern ein Gott des Lebens, der Versöhnung und des Friedens.
Natürlich wissen wir: Unsere Welt ist nicht heil. Es gibt Gewalt, Unrecht, Diktaturen. Manchmal mag militärische Gewalt sogar nötig sein, um Schlimmeres zu verhindern. Aber selbst dann darf sie nicht verklärt und erst recht nicht sakralisiert werden. Sie bleibt ein letzter tragischer Ausweg.
Gerade deshalb müssen Christinnen und Christen wachsam sein, wenn politische Konflikte religiös aufgeladen und zum „heiligen Krieg“ überhöht werden. Eine Kriegstheologie, die Gott auf die Seite der eigenen Waffen zieht, ist ein gefährlicher Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten.
Unser Auftrag ist ein anderer. Jesus sagt: Selig sind, die Frieden stiften. Nicht: Selig sind, die siegen. Nicht: Selig sind, deren Waffen treffen. Der Maßstab christlichen Handelns ist und bleibt der Frieden – auch und gerade dann, wenn er fern scheint.
Deshalb dürfen wir nicht schweigen, wenn der Glaube pervertiert wird, um Gewalt zu rechtfertigen. Wir sind aufgerufen, daran zu erinnern: Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein. Und wo er doch geschieht, darf er niemals heiliggesprochen werden.Formularende Denn wer zu Gott betet, kann nicht zugleich den Krieg segnen.
