Was ein Teelicht mit Gott zu tun hat …

19. Sonntag nach Trinitatis

Von Pfarrerin Dr. Anna Quaas
Evangelische Studierendengemeinde Koblenz

Kennen Sie das, wenn Sie von etwas so berührt werden, dass Sie es über Jahre hinweg nicht mehr vergessen?

So erging es mir bei einem Taufgottesdienst in der katholischen Nachbargemeinde St. Joseph.

Während seiner Ansprache nahm der Pfarrer ein Teelicht in die Hand. Er nahm es auseinander, sodass Wachs und Docht getrennt waren.

„Gott“, erklärte er, „webt sich in unser Leben ein, so wie der Docht in das Wachs. Er begleitet uns von Anfang bis zum Ende.“

Dieses Bild von Gott gefällt mir: Gott in der Mitte, von Anfang bis Ende da, als Wärme, als Licht, als das, was mich von innen heraus wärmt. Das Bild beeindruckt mich, weil es so alltagsnah ist – jedes Teelicht erinnert mich daran, was Gott mit meinem Leben zu tun hat.

Denn ohne Gott würde mir etwas Entscheidendes fehlen: Der rote Faden in der Mitte, das Licht und die Wärme, die von innen nach außen strahlen. Diese Verbindung ist da, von Anfang an und sogar über meinen Tod hinaus. Das macht mich dankbar und gibt meinem Leben Sinn.

Gleichzeitig zeigt das Bild, wie wir als Menschen auf Gott bezogen sind – und umgekehrt. Ein Docht ohne Wachs verbrennt in Sekunden. Gott sucht die Nähe zu uns Menschen. Unser christlicher Glaube sagt uns, dass Gottes tiefste Sehnsucht es ist, uns Menschen nahe zu sein. Gott kann und will nicht ohne uns als Gegenüber sein.

Und umgekehrt: Als Mensch möchte ich nicht ohne Gott sein. Wachs ohne Docht lässt sich nicht entzünden. Als Mensch brauche ich die Verbundenheit mit Gott, seine Nähe, Wärme und Liebe.

Das Gottesbild vom Teelicht ist ein einfaches und gleichzeitig geniales Bild, das für mich genau trifft, was es bedeutet zu glauben.

 

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