Vorbereitet sein

Erntedankfest

Von Prädikant Dr. Andreas Metzing
Koblenz-Arzheim

 

Vorsorge hat in Krisenzeiten Konjunktur. Regelmäßig gibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz Tipps für den Notfall. Und wem das noch nicht reicht, der wird zum Prepper und hält Wasserkanister, Notstromaggregat und Fluchtrucksack stets griffbereit – man weiß ja nie, was morgen kommt.

Auch die Bibel weiß um den Wert guter Vorsorge. Josef lässt in Ägypten während der sieben fetten Jahre Vorräte für die sieben mageren anlegen. Die klugen Jungfrauen haben genug Öl für ihre Lampen dabei. Realistisch mit dem Leben zu rechnen und für das Kommende vorzusorgen – das kann durchaus vernünftig sein.

Es sollte allerdings nicht zum alleinigen Lebensinhalt werden. Auch da findet die Bibel klare Worte: Jesus erzählt das Gleichnis vom reichen Kornbauern, der volle Scheunen hat und schon die nächsten Pläne schmiedet. Dann stirbt er. Was nützt ihm jetzt all seine Vorsorge?

Verantwortlich vorsorgen, ohne sich von der Sorge vor dem Morgen bestimmen zu lassen – das ist gar nicht so einfach. Denn die Zukunft ist offen und lässt sich nicht zu hundert Prozent absichern. Für mich heißt „Vorbereitet sein“ deshalb vor allem: offen bleiben für Gott – für das, was er heute von mir will und mir schenkt. Ein realistischer Blick für das aktuell Notwendige und die Bereitschaft zur Verantwortung für meine Mitmenschen gehören dazu. Aber entscheidend ist das Vertrauen: Mein Leben liegt in Gottes Hand geborgen. Angesichts der Grenzen menschlicher Vorsorgemöglichkeiten kann das eine große Gelassenheit geben. So verstehe ich „Vorbereitet sein“: nach meinen Kräften vorzusorgen – aber zugleich um die Grenzen des Machbaren zu wissen und aus dem Vertrauen auf Gott zu leben.

 

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