Träumer:innen

Von Rolf Stahl
Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz

Der Sommer war heiß und trocken im Jahr 1963. Hundertausende machten sich auf den Weg in die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika. Am 28. August fand der Marsch auf Washington statt. Gefordert wurde das Ende der Rassendiskriminierung in den USA. Es gab mehrere Reden. Berühmte Musiker:innen traten auf. Darunter waren Joan Baez, Bob Dylan und Mahalia Jackson. Zum Abschluss der friedlichen Veranstaltung kam der baptistische Pastor Martin Luther King zu Wort. Seine Rede unter der Überschrift „Ich habe einen Traum“ gehört zu wichtigsten des 20. Jahrhunderts. King sagte unter anderem: „Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.“

Fast sechs Jahrzehnte sind seither vergangen. Vieles hat sich verändert und entwickelt. Martin Luther King erhielt im Jahr nach seiner Rede den Friedensnobelpreis. 1968 kam er bei einem Attentat ums Leben. „Trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum“ sagte er damals in Washinghton. Sein Traum ist ein Vermächtnis an die Menschheit. Wir brauchen Träume, um über das hinauszudenken, was in dieser Welt falsch läuft. Von der Gleichberechtigung aller Menschen sind wir weit entfernt. Viele Scheren klaffen auseinander. Viele Gegensätze werden behauptet. Viele Unterschiede werden gemacht, weltweit, aber auch in unserer Gesellschaft, vor unseren Haustüren. Das müsste nicht sein. Es liegt an uns allen, daran etwas zu ändern. Warum warten wir damit so lange?

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