Tag der Arbeit

Kantate

Von Ute Lohmann
Pfarrerin an der BBS Wirtschaft Koblenz

Heute – Tag der Arbeit. Was bedeutet denn Arbeit für mich? Mit einer solchen Frage komme ich mit meinen Schülerinnen ins Gespräch: Arbeit heißt Geld verdienen, ich will mir einen gewissen Lebensstandard leisten, ich brauche Ordnung und Struktur, ich will etwas Sinnvolles machen. Schnell konnten wir feststellen, Arbeit ist mehr als Broterwerb; sie ist, religiös gesprochen, Teil unserer Berufung durch Gott: „Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre“. In diesem Satz liegt ein doppelter Auftrag: gestalten und schützen. Beides gehört zu einer Arbeit, die Leben fördert. Wo wir pflanzen und pflegen, lehren und lernen, heilen und helfen, kaufen und verkaufen, werken und bauen, denken und entwickeln, da wirken wir an Gottes Schöpfung und Zukunft mit. Dabei wird deutlich, dass Arbeit verbindet: Niemand arbeitet nur für sich, denn Arbeit setzt uns in Beziehung und schenkt soziale Kontakte; dass Arbeit Rhythmus braucht und so Struktur gibt; dass Arbeit einen Wert hat und gibt. Wenn es im Unterricht um den Wert der Arbeit geht, kommen wir zunächst auf die Entlohnung zu sprechen: Was ist meine Arbeit in Euros wert und wer legt das eigentlich fest? Schnell wird in der Diskussion klar: Der Wert der Arbeit misst sich nicht zuerst an Lohnzetteln, sondern daran, dass sie dem Leben dient und wer meine Arbeit sieht! Dazu gehören aber auch faire Löhne, sichere Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung, Chancengerechtigkeit. Wo Menschen ausgebeutet werden, wird Gottes guter Wille verletzt. Jede Arbeit hat ihren eigenen Wert – ob sichtbar oder verborgen, bezahlt oder unbezahlt. Nun bleibt noch nicht nur von Seiten der Schülerinnen zu fragen, wie steht es um die Ruhe, die Pausen und die Erholung. Kommt dies in unserer durchgetakteten Welt nicht zu kurz? Schaffen wir eine Balance zwischen Arbeit – Familie und Freizeit – Erholung und Chillen, wie meine Schüler sagen würden? Auch da hilft ein Blick in die Bibel, denn auch Gott ruhte am siebten Tag und damit verordnete er uns einen Tag zur Erholung, Innehalten, sich bewusst werden, was mir wichtig ist im Leben, was glaube ich und worauf vertraue ich. So spricht auch der Prediger, „geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dein Tun hat Gott schon längst gefallen.“ Nutzen wir auch diesen Tag zur Erholung, aber auch zum Einsatz für die Wertschätzung unseres Tuns und Handelns.

 

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