Spuren hinterlassen

Von Tillmann Böhme
Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Lützel

Wenn wir verreisen, erweitern wir unseren Horizont, wir suchen Erholung und Entspannung. Sehenswürdigkeiten werden bestaunt, das gute Wetter und die fremde Lebensart genossen. Zum Urlaub gehören heute Selfies. Andere sollen sehen, was ich esse, welches Sommeroutfit ich trage, vor welcher Kulisse ich bin. Selfiestick und Facebook machen’s möglich. Wir möchten gesehen werden und Spuren hinterlassen. Diese Sehnsucht ist etwas Menschliches. Höhlenmalereien sind die ersten Selfies der Geschichte. Wir möchten wichtig sein. Wir brauchen eine Bedeutung. Dieser Wunsch wird dringlicher, je mehr wir spüren, wie vergänglich oder austauschbar vieles scheint. Eltern wünschen das schon für ihre Kinder. Ich merke das an Taufsprüchen. Gerne nehmen sie ein Wort von Jesus, der sagt „Freut euch, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind.“

Ein tröstendes Bild: Der Himmel bewahrt mich vor dem Vergessen. Denn jede Lebensspur verliert sich irgendwann. Selbst die Erinnerung an Berühmtheiten verblasst. Unsere Spuren verwehen wie Fußabdrücke am Strand. Aber im Himmel sind unsere Namen aufgeschrieben. Etwas von uns bleibt. Das schenkt Gelassenheit. Damit fängt der Urlaub an. Das befreit vom Druck und den vielen Erwartungen, die mir täglich begegnen. Ich kann aufatmen und darüber nachdenken, was wirklich wichtig ist im Leben. Vieles, womit ich meine Zeit zubringe, wofür ich mein Geld ausgebe, worüber ich mich ärgere, wird unwichtig, wenn ich über den heutigen Tag hinaus blicke. Dazu hat ein alter Mann einmal gesagt: „Wenn ich mein Leben noch einmal geschenkt bekäme, würde ich mehr Zeit mit Menschen verbringen, die mir wichtig sind. Ich wäre mutiger, ich würde verrückter sein. Ich würde öfter Berge besteigen oder Sonnenuntergänge anschauen. Ja, es gab schöne Momente in meinem Leben. Wenn ich noch einmal leben dürfte, hätte ich mehr davon.“

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