Nie wieder durstig
10. Sonntag nach Trinitatis
Vor einigen Tagen wurde bei uns wegen Bauarbeiten das Wasser abgestellt. Kurz vor der angekündigten Zeit schnell noch unter die Dusche. Doch gerade eingeseift, kam plötzlich nichts mehr aus dem Hahn. Das Wasser war früher weg als geplant.
In diesem Moment wurde mir neu bewusst, wie selbstverständlich Wasser für uns geworden ist. Erst wenn es fehlt, merken wir, wie kostbar es ist.
Ähnlich ist es mit manchen Dingen unseres Lebens. Gesundheit, Frieden, Beziehungen oder auch Gottes Nähe. Vieles nehmen wir als selbstverständlich hin, bis wir spüren, dass uns etwas fehlt.
Im Johannesevangelium begegnet Jesus einer Frau an einem Brunnen. Es ist Mittag, die Sonne brennt, und Jesus hat Durst. Er bittet sie: „Gib mir etwas zu trinken.“ Doch aus dem Gespräch über Wasser wird bald ein Gespräch über die großen Fragen des Lebens.
Jesus sagt: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben.“
Jesus spricht nicht vom körperlichen Durst. Er spricht vom Durst des Herzens. Von unserer Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, Sinn und Erfüllung. Jeder Mensch trägt diesen Durst in sich. Oft versuchen wir, ihn an den unterschiedlichsten Brunnen zu stillen: durch Erfolg, Besitz, Unterhaltung oder Beziehungen. Doch nicht selten bleibt eine innere Leere zurück.
Der Kirchenvater Augustinus formulierte: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“
Im Gespräch macht Jesus deutlich, dass hinter vielen Wegen und Umwegen des Lebens eine tiefere Sehnsucht steckt: die Sehnsucht nach Gott. Schließlich offenbart er sich der Frau selbst. Die Quelle, nach der sie gesucht hat, steht direkt vor ihr.
Vielleicht lohnt es sich, gerade in diesen Sommertagen zu fragen: Wo suche ich nach Erfüllung? An welchen Brunnen schöpfe ich?
Jesus lädt ein, zur Quelle selbst zu kommen. Denn der tiefste Durst des Menschen endet erst dort, wo er Christus begegnet.
