Menschlichkeit statt Männlichkeit!

Palmsonntag

Von Ruth Stein
Pfarrerin, Evangelischer Kirchenkreis Koblenz

Zufällig bin ich im Internet auf ein Interview gestoßen, in dem ein Mann um die 40 mit weichen Gesichtszügen und rotblonden Locken fordert, Politiker müssten sich stärker zu ihrer Männlichkeit bekennen, mehr Kampfgeist und Durchsetzungskraft zeigen. Ganz spontan überlege ich, was für Minderwertigkeitskomplexe einer aus jungen Jahren mit sich herumträgt, der angeblich maskuline Tugenden beschwört, während schon wieder junge Männer, - und zwar seine Landsleute -, im Krieg sterben.

Sie haben es sich bestimmt schon gedacht: bei dem Interviewten handelte es sich um einen der reichsten Tech- Milliardäre der USA, einem Mann, der bekanntermaßen Mixed Martial Arts praktiziert, einen ziemlich brutalen Kampfsport, bei dem Schläge und Tritte mit Grifftechniken kombiniert werden.

Wenn wir in diesen Wochen der Passion Christi gedenken, Jesu Weg ans Kreuz nachgehen, dann wird jede Station überlagert mit täglich neuen Bildern von ausgebombten Häusern, verwundeten oder getöteten Zivilisten und gefallenen jungen Männern. Und ich halte es im Unterschied zu Mark Zuckerberg nicht für ´männlich`, sich aus Spaß in einem Käfig zu prügeln, sondern finde es sehr viel mutiger, wie Jesus für seine Überzeugung bis ans Kreuz zu gehen. Ich bin tief beeindruckt von der Stärke, mit der Mütter versuchen, ihre Kinder im Krieg zu versorgen, mit der Väter ihre Heimat verteidigen. Und ich meine auch, wir brauchen in Politik und Gesellschaft nicht mehr ´Männlichkeit`, sondern vor allem Menschen, Männer wie Frauen, die sich wie Jesus gegen Gewalt als Konfliktlösung und für Frieden einsetzen!

 

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