Mehr als ein Ort zum Quatschen

2. Sonntag nach Epiphanias

Von Schulpfarrerin Stefanie Martin
Koblenz

Letzte Woche am Stammtisch erzählte mir eine Bekannte, sie habe den ganzen Nachmittag im Freien gestanden, weil sie eine neue Plauderbank am Lützeler Moselufer mit eingeweiht hat. Was ist nun eine Plauderbank?

Eine Plauderbank ist eine speziell gekennzeichnete öffentliche Sitzgelegenheit, die

als eine Art sozialer Treffpunkt dient, um Einsamkeit zu bekämpfen und Menschen aller Altersgruppen ins Gespräch zu bringen, indem sie signalisiert: „Ich bin offen für ein Gespräch“ und so ungezwungene Begegnungen und Austausch fördert. Sie ist ein niedrigschwelliges, aber wirkungsvolles Mittel, um Gemeinschaft zu stärken und das Gefühl, nicht gehört zu werden, zu mindern, wobei Ehrenamtliche oft die Betreuung übernehmen, um den Kontakt zu erleichtern.

Es gibt heutzutage sehr viele Menschen, die sich einsam fühlen.  Sie hätten gerne mehr Kontakt mit anderen. Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter manchmal, wenn wir abends telefonierten und ihre Stimme brüchig war, sagte, dass läge daran, dass sie heute noch mit niemandem geredet habe. Aber beim Spazierengehen im Park einfach mal jemanden anzusprechen, um ein paar Worte zu wechseln, das trauen sich die wenigsten. An dieser Stelle kommt nun die Plauderbank ins Spiel. Da kann ich mich einfach hinsetzen. Das reicht als Signal: ich bin ansprechbar. Komm setz dich dazu. Lass uns quatschen.

Wenn wir einander im Gespräch begegnen und uns Zuwendung und Aufmerksamkeit schenken entsteht Wertschätzung im eigentlichen Sinne. „Das wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen“ sagt der Philosoph Karl Jaspers.

Eigentlich schade, dass solche Begegnungen keine Selbstverständlichkeit mehr sind für jeden und dass wir Plauderbänke brauchen. Aber Gott sei Dank gibt es sie.

 

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