Mauern überwinden – Freiheit wagen
11. Sonntag nach Trinitatis
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ (Galater 5,1). Freiheit ist ein Geschenk Gottes – und eine Aufgabe. Wo Angst herrscht, Misstrauen wächst und Menschen einander nicht die Hand reichen, entstehen neue Mauern.
Vor 65 Jahren, am 13. August 1961, begann in Berlin der Mauerbau. Für die Menschen in der DDR wurde sie zum Zeichen der Unfreiheit. Familien wurden getrennt, Lebenswege abgeschnitten, Flucht wurde lebensgefährlich. Hinter Beton und Stacheldraht standen auch Angst und Zwang.
Doch Mauern bestehen nicht ewig. 1989 gingen Menschen in der DDR trotz der Gefahr auf die Straße und riefen nach Freiheit. Am 9. November fiel die Berliner Mauer. Nicht Gewalt brachte sie zu Fall, sondern Mut und der Wille zur Freiheit.
Wir kennen Mauern – nicht aus Beton, sondern in unseren Köpfen und Herzen. Wir bauen sie gegen Menschen, die anders denken, fühlen, glauben oder politisch urteilen. Wir ziehen Grenzen, brechen Gespräche ab und machen aus dem anderen den Gegner.
Jesus sagt: „Selig sind, die Frieden stiften“ (Matthäus 5,9). Paulus mahnt: „Haltet Frieden mit allen Menschen“ (Römer 12,18).
Darum die Frage: Welche innere Mauer habe ich errichtet? Welche Vorurteile, Verletzungen oder Ängste trennen mich von einem anderen Menschen? Welchen Stein könnte ich daraus nehmen?
Vielleicht beginnt es mit einem Gespräch. Mit Zuhören. Mit einem Händereichen. Mit dem Mut, den anderen nicht zu verurteilen.
Mauern überwinden beginnt bei uns – in Familie, Gesellschaft und Politik. Wo Menschen aufeinander zugehen, wird Freiheit lebendig. Freiheit siegt über Zwang und Angst, wenn wir einander die Hand reichen.
