Kirchenaustritte auf Rekordhöhe

Von Militärdekan Dr. Roger Mielke, Koblenz

Von Militärdekan Dr. Roger Mielke, Koblenz

„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.“
Matthäus 5,13; aus dem Evangelium zum 8. Sonntag nach Trinitatis

In der Welt der Bibel war Salz ein kostbares Gut. Es musste aufwändig gewonnen und über lange Strecken transportiert werden. Man brauchte es, um Fleisch zu konservieren und Speisen zu würzen. In der berühmten „Bergpredigt“ vergleicht Jesus seine Freundinnen und Freunde mit diesem Salz: „Ihr seid das Salz der Erde“. Ihr seid, so sagt Jesus, so kostbar wie Salz, und ihr werdet so dringend gebraucht wie Salz. Ihr seid überlebensnotwendig für das Leben auf dieser Erde. Wenn man im Zusammenhang der Bergpredigt weiterliest, wird deutlich, wie Jesus das meint: Die Jesusleute sollen Friedensstifter sein, bereit zur Versöhnung, barmherzig und der Gerechtigkeit verpflichtet, auch gegen Widerstände von Innen und Außen.  Ein hoher Anspruch! Vielleicht zu hoch? Aber: Die Kraft dazu haben die Jesusleute nicht in sich selbst, sie bekommen diese Kraft aus einer engen Lebensverbindung mit Gott. So hat Jesus sich die Gemeinschaft seiner Freunde vorgestellt. Was ist nach mehr als 2000 Jahren Kirchengeschichte aus dieser Berufung geworden? Die Kirchenaustritte haben Rekordhöhe erreicht. Warum? Vielleicht, weil die Kirche dies aus ihrer Mitte verloren hat: Salz der Erde zu sein. Das Salz, so sagt es Jesus, kann seine Kraft verlieren, dann ist es unnütz geworden. Grund zur Sorge? Ja, sicher, aber nicht nur vor dem Niedergang der Kirche, sondern viel mehr noch für unser aller Zusammenleben. Denn das Salz der Erde wird heute dringender gebraucht denn je: Frieden und Erbarmen, Gerechtigkeit und Solidarität. Wichtige Frage: Wie kann die Kirche wieder zurückfinden zu ihrer Salzkraft? Indem sie sich neu von Jesus rufen lässt, schlicht und demütig seinen Wegen folgt, Menschen stärkt in Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Sache mit den Kirchenaustritten klärt sich dann, wahrscheinlich, von selbst.

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