Kindsein bei Gott

Von Dr. Andreas Metzing,
Prädikant im Evangelischen Kirchenkreis Koblenz

 

Am Sonntag wird die vierte Kerze am Adventskranz angezündet – wir gehen mit großen Schritten auf Weihnachten zu. Wenn ich daran denke, was noch alles für das Fest vorzubereiten ist, dann wird mir manchmal etwas mulmig zumute. Aber es gibt auch Momente, da erinnere ich mich plötzlich wieder daran, wie unbeschwert ich mich als Kind auf Weihnachten gefreut habe, wie sehr ich damals vom Zauber dieser besonderen Zeit ergriffen war. Und ich spüre die Sehnsucht in mir, etwas von dieser kindlichen Weihnachtsvorfreude auch in mein heutiges Leben als Erwachsener hinüberzuretten.

Eigentlich neige ich nicht zu Sentimentalitäten. Aber sich in der Weihnachtszeit an die Kindertage zurück zu erinnern, das ist mehr als Gefühlsduselei – es führt uns an den Kern des Weihnachtsgeschehens. Der Schöpfer des Universums kommt als Kind auf die Welt – und so werden die Menschen, die sich ihm öffnen, zu Gottes Kindern. Weihnachten, das Fest der Menschwerdung Gottes, ist zugleich das Fest unseres Kindseins bei Gott.

Kindsein bedeutet, in Geborgenheit zu leben, geliebt zu werden und zu wissen, dass für einen gesorgt ist. An die Sorge und Liebe, die ich als Kind in meinem Elternhaus erfahren habe, denke ich gerade in den Advents- und Weihnachtstagen gerne und in Dankbarkeit zurück. Die Weihnachtsbotschaft aber sagt mir: An allen Tagen meines Lebens darf ich als Kind Gottes leben. Gerade auch in den Zeiten, in denen mir mulmig zumute ist – ganz egal ob durch Stress im Beruf, aus Sorge um einen lieben Mitmenschen oder auch mit Blick auf den Zustand unserer aus den Fugen geratenen Welt –, darf ich darauf vertrauen, in der Liebe Gottes geborgen zu sein.

An Weihnachten verschenkt Gott sich selbst und will damit uns Menschen zu seinen Kindern machen. Die Liebe und Geborgenheit, die wir empfangen, in der Welt sichtbar und spürbar zu machen und so zum Segen für andere zu werden – das ist unser Weihnachtsauftrag als Christinnen und Christen.

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