Könnt Ihr mich verstehen?

Von Gerd Götz, Evangelische Kirchengemeinde Vallendar

Von Gerd Götz
Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Vallendar

Seine Augen verdrehen sich. Ein Schmunzeln schleicht sich dazwischen. "Könnt ihr mich verstehen?" sagt das gegenüber mit dem dunklen Bildschirm. "Ja, aber nicht sehen". Er denkt an all die Menschen, die das jeden Tag mehrfach hören. Und es wird zum laufenden Witz. Diese kleine Frage, von ihm selbst schon oft gestellt. Er fragt sich nach dem Unterschied zwischen "Hören" und "Verstehen". War da nicht mal so eine schöne Geschichte? Nicht das mit dem Turm. Da ging ja alles schief. Aber diese jungen und alten Menschen die alle Jünger waren. Da hat es doch plötzlich geklappt mit dem Verstehen. Er liest nach und staunt. Das Volk hat sich lustig gemacht über die, die sich verständlich machen konnten. Diese Jünger sprachen auf einmal in allen Sprachen. Manch einer dachte wohl, sie seien am frühen Morgen schon betrunken und würden wirres Zeug reden. Er denkt sich, wie schwierig es ist, sich verständlich zu machen. Auch ohne Bildschirm und Mikrofon. Einfach so. Im Leben. "Könnt ihr mich verstehen?" Wie wichtig ist das. Dass wir uns verstehen. Dass wir sprechen und zuhören. Am besten in der gleichen Sprache. Aber vielleicht auch ohne Sprache. Durch da sein. Durch Zeichen. Welche Zeichen funktionieren am besten? Bei allen? Er denkt es gibt eins. Ein gutes Zeichen. Eins, dass immer funktioniert. Es ist uns angeboren. Wir könnten frei darüber verfügen. Mit allen. Für alle. Für die anderen und für uns selbst. Und wenn wir von einigen für verrückt gehalten werden. Es funktioniert. Ein begeisterndes Zeichen. Ansteckend. Ein Lächeln.

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