Haltung zeigen gegen Antisemitismus
Rogate
Von Prädikant Dr. Andreas Metzing
Koblenz-Arzheim
Ich mache mir Sorgen. In vielen deutschen Städten kommt es im Rahmen propalästinensischer Demonstrationen vermehrt zu Äußerungen, die nicht nur die Politik Israels kritisieren, sondern sein Existenzrecht grundsätzlich in Frage stellen. Erschreckender Höhepunkt: die antisemitischen Schmierereien "Kill all Jews“ an Häusern in Berlin.
Solche Entwicklungen sind nicht nur ein politisches Alarmsignal, sondern müssen auch Christen aufrütteln. Denn das Bestehen des Staates Israel, der in dieser Woche den 78. Jahrestag seiner Gründung begeht, berührt auch die geistlichen Wurzeln des christlichen Glaubens.
Das Christentum ist aus dem Judentum hervorgegangen. Jesus von Nazareth lebte als Jude, betete in den Worten der Psalmen und stellte sich in die Tradition der Propheten. Seine Botschaft wollte er als Erfüllung der Verheißungen des Alten Testaments verstanden wissen. Wer sich zu Jesus Christus bekennt, steht damit immer auch in einer Beziehung zum jüdischen Glauben.
Gerade deshalb braucht es heute Klarheit. Kritik an konkreten politischen Entscheidungen der israelischen Regierung ist legitim. Doch sie darf nicht dazu missbraucht werden, Israels Existenzrecht grundsätzlich zu bestreiten. Eine solche Grenzüberschreitung kann Christen nicht gleichgültig lassen - erst recht nicht, wenn auch in Deutschland wieder Menschen bedroht oder ausgegrenzt werden, weil sie als jüdisch erkennbar sind. Antisemitismus - ganz gleich ob er im rechtsradikalen, linksradikalen oder islamistischen Gewand daherkommt - darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.
Haltung zu zeigen und die Stimme zu erheben, wenn jüdisches Leben verächtlich gemacht oder gefährdet wird - dieser Auftrag ist in unseren Tagen wichtiger denn je.
