Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Matthäus 28,18
Exaudi
Von Pfarrer Edwin Dedekind
Ev. Kirchengemeinde Bendorf
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wenn man sich die Welt heute anschaut, fragt man sich oft: Was ist eigentlich los? Überall gibt es Kriege und immer mehr Gewalttaten.
Was machen die Menschen in solchen Zeiten? Sie suchen Hoffnung. Sie suchen etwas, woran sie sich festhalten können. Manche setzen ihre Hoffnung auf Parteien, die Versprechen machen, die sie am Ende gar nicht einhalten können. Gleichzeitig sehen wir immer wieder, dass Kriege oft von Menschen verursacht werden, die auf der einen oder anderen Seite radikal geworden sind. Und dennoch erleben wir auch in Deutschland einen zunehmenden Ruck hin zum Radikalismus.
Wenn wir auf den Text zu Himmelfahrt schauen, dann hören wir Worte, die Jesus kurz vor seinem Abschied zu seinen Jüngern gesprochen hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“
Warum greift Jeus nicht einfach ein? Er hat sich für einen anderen Weg entschieden. Er baut sein Reich nicht durch Zwang, Macht oder Gewalt auf, sondern indem er die Herzen der Menschen gewinnt.
Denn wer wirklich Herzen gewinnen will, kann niemanden zwingen. Liebe braucht Freiheit. Jeder Mensch muss sich selbst entscheiden. Jesus baut ein Reich in dieser Welt, das ganz anders ist als die Reiche dieser Welt.
Seine Lehre ist radikal anders. Er sagt: „Liebt eure Feinde“ und „Segnet die, die euch verfolgen.“ Das steht im starken Gegensatz zu den Maßstäben dieser Welt.
Wie gehen wir damit um, wenn wir Teil dieses Reiches sind und gleichzeitig in einer Welt leben, in der oft Macht, Einfluss und Geld regieren?
Ich denke, wir müssen erkennen: Der Mensch braucht Grenzen. Wenn Menschen zu viel Macht erhalten, wird diese oft destruktiv genutzt.
Viele politische Bewegungen leben davon, Angst zu erzeugen. Da müssen wir wachsam sein.
Unser Herr dagegen sagt: „Ich gebe euch meinen Frieden – nicht wie die Welt ihn gibt.“
Das ist ein anderer Frieden. Ein Frieden trotz aller Unruhe. Eine Liebe trotz aller Spannungen.
Trotzdem dürfen wir uns als Christen nicht aus der Verantwortung zurückziehen. Wir müssen wählen. Wir müssen mithelfen, dass Macht kontrolliert bleibt. Aber gleichzeitig bauen wir das Reich Gottes mitten in dieser Welt – durch Liebe, durch Wahrheit, durch Vergebung und durch Hoffnung.
Und wir dürfen dafür beten, dass Menschen in verantwortliche Positionen kommen, die diese Liebe im Herzen tragen. Menschen, die Macht nicht missbrauchen.
