Friedenstauglichkeit
21. Sonntag nach Trinitatis
Von Pfarrerin Stefanie Martin
Schulpfarrerin des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz
An der hebräischen Universität Jerusalem fand im Januar ein politikwissenschaftliches Seminar zum Westfälischen Frieden von 1648 statt. Viele Experten sehen in ihm ein hoffnungsvolles Vorbild für Friedensverhandlungen in unserer Zeit. Erfolgsgarant war damals, dass alle beteiligten Parteien gleichberechtigt teilnehmen konnten und gehört wurden, unabhängig von deren faktischer Macht.
Am Thema „Krieg und Frieden“, beteiligt waren israelische und palästinensische Studierende. Ihre Aufgabe war es, wie beim Westfälischen Frieden zwei Gruppen zu bilden und für entweder Krieg, oder Frieden zu plädieren. Beide Gruppen wurden zufällig nach Geburtsdatum gebildet. Sie vertieften sich leidenschaftlich in ihr Thema und versuchten Argumente zu finden um die anderen von ihrer Sicht zu überzeugen. Am Ende fand eine Abstimmung statt, zur Frage, was ist besser, Krieg oder Frieden. Beide Gruppen stimmten geschlossen für genau den Punkt, den sie vorher bearbeitet hatten, gleichgültig, welcher Meinung die Mitglieder ursprünglich gewesen waren.
Wieso fiel das Ergebnis so aus? Spielte Gruppenzwang eine Rolle, waren es andere psychologische Gründe, nicht aus der Rolle hinauszufinden, oder hatten sie bei der essentiellen Beschäftigung mit ihrem Aspekt, Krieg oder Frieden, etwas Entscheidendes gelernt?
Die Studenten in Jerusalem zeigen offenbar, dass Frieden erlernbar ist, wenn man will. So wie der biblische Prophet Jesaja es beschrieben hat: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Kriege zu führen.
