Evangelischer Kirchentag in Nürnberg

Von Schulpfarrerin Ruth Stein

Treffen sich der Chef einer großen Bank und ein Pfarrer und reden über Vertrauen … klingt wie der Anfang eines Witzes, oder?

Dutzende von sehr viel älteren Leuten reihen sich in eine Schlange und folgen freundlich den Anweisungen von Teenagern, - ist das für Sie eine lächerliche Vorstellung?

Befürworter und Gegner der Waffenlieferungen in die Ukraine diskutieren miteinander, ohne sich gegenseitig zu beleidigen und ohne dass eine Seite ausgepfiffen oder gebuht wird, - halten Sie das für einen schlechten Scherz, völlig unrealistisch?

Alles das und noch viel mehr kleine Wunder haben sich ereignet auf dem Evangelischen Kirchentag in Nürnberg, der vergangenen Sonntag zu Ende ging. Unter dem Motto ´Jetzt ist die Zeit` kamen fast 70 000 Christinnen und Christen zusammen, um miteinander Gottesdienst zu feiern, zu singen, zu beten, Vorträge und Diskussionen über die drängenden Probleme unserer Zeit zu verfolgen, miteinander ins Gespräch zu kommen, Konzerte und Ausstellungen zu besuchen, die vielen Mitmach-Angebote wahrzunehmen.

Dabei wurde immer wieder deutlich, dass weder der Deutsche Bank Chef noch der Präses der Rheinischen Kirche beanspruchen, das eine Rezept gegen den Vertrauensverlust in ihren Institutionen zu besitzen; dass es völlig überholt ist, wenn eine Generation der nächsten sagen will, wo´s langgeht; dass es nie unzeitgemäß ist, Frieden anzumahnen, aber vielleicht manchmal geboten, eine der Kriegsparteien zu unterstützen. Im Eröffnungsgottesdienst hieß es, dass wir ´unser Glück nicht mehr am Wachstum des materiellen Wohlstands festmachen, sondern am Wachstum des Beziehungswohlstands.` Dazu ist jetzt die Zeit! ( – und das meine ich ganz ohne Witz).

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