Ein großartiges Leben

Von Pfarrer Alfried Hopfgartner
Schulpfarrer des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz

Die Noten sind gemacht, die Zeugnisse werden vorbereitet und ein wenig fällt die Anspannung der letzten Wochen an unseren Schulen. In der Schule geht es in den letzten beiden Wochen, ohne Notendruck, um die Ziele und Werte die jungen Menschen helfen, für sich ein gutes und sinnvolles Leben zu finden.
Besonders für die 9. und 10. Klassen die ihren Schulabschluß erreicht haben und die seit Wochen an der Gestaltung ihres Abschiedsfestes und oft auch an einem festlichen Gottesdienst arbeiten sind dies wichtige Themen. Sie freuen sich auf ein „erwachseneres“ Leben und wissen schon längst, das Glück und Erfüllung nicht garantiert sind.
Welche Ziele und Werte nehme ich mit? Was möchte ich in Zukunft erreichen? Finde ich neue Weggefährten? Oder treffe ich nur Konkurrenten? Wie soll mein Leben gelingen? Leistung und Erfolg, Fitness und Durchsetzungsvermögen, Konsum und Prestige werden ihnen dabei oft einseitig als selig machende Werte empfohlen.
So sei ein großartiges Leben möglich. Aus christlicher Sicht ist dies aber kein großartiges Leben. Es ist ein kleines und beengtes Leben. Denn wer sich selbst so absolut setzt hat keine Freude am Mitmenschen, keinen Platz für Gott.
Diese Werte allein bringen soziale Kälte hervor, machen das Selbstwertgefühl von Äußerlichkeiten abhängig, lassen den Mitmenschen nur als Konkurrent oder als Mittel für das eigene Vorwärtskommen erscheinen. So klein ist diese Lebensweise, das der Frieden Gottes nicht hineinfindet. Luther spricht hier von einer Lebensweise in welcher der Mensch „in sich selbst gekrümmt“ und eingeschlossen ist. Denn gerade in der Wertschätzung anderer Menschen, im Begleiten und Aufhelfen des Nächsten, in der Wertschätzung der Schöpfung erfahren wir, dass wir tatsächlich von Bedeutung sind. Und umgekehrt ist es genauso. Wenn uns andere Menschen achten und wahrnehmen, wenn sie Wert auf uns und unsere Mitarbeit legen – dann wird unser Lebenshorizont freier und größer.
Was für unser menschliches Miteinander gilt, gilt auch für Gottes Wertschätzung uns gegenüber. Wir sind  für Gott von großer Bedeutung, wir sind  eingeladen unser Leben um seine Anwesenheit zu bereichern. Die Teilnahme an einem solchen Gottesdienst ist den Schülern natürlich freigestellt.
Der Schulabschlußgottesdienst ist eine Einladung, kein kleines Leben zu leben.
Es soll ein Leben sein, welches sich nicht mit dem Erwerb und der Anhäufung von Besitz und Erfolg verzehrt.
Es soll ein Leben sein, welches auch mit Misserfolgen und Scheitern zurecht kommt.
Ein solches Leben wird auch in Zeiten eigener Schwäche und Fehler von Gott und unseren Nächsten mitgetragen werden.
Ich wünsche unseren vielen Schulabgängern  einen guten Start in ihr neues Leben, Menschen die ihnen wohlgesonnen sind und die Gewissheit, das niemand von uns allein durchs Leben gehen muss.
Mit anderen Worten: ich wünsche ihnen und uns allen den Segen Gottes.


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