Eile mit Weile

Letzter Sonntag nach Epiphanias

Von Ute Lohmann
Pfarrerin an der BBS Wirtschaft Koblenz

Oder chill mal dein Leben, so würden es vermutlich die Schülerinnen und Schüler ausdrücken. Warum soll ich mich abhetzen? Ich werde noch lange arbeiten müssen. Warum muss alles immer im Eiltempogeschehen? Warum nicht Teilzeit arbeiten, ich habe noch so viel anderes zu erledigen? Also Zeit nutzen, um zu leben?!!

Eile mit Weile meinten schon unsere Vorfahren, wenn sie diese überlieferte Geschichte erzählten:

Ein Fuhrmann saß auf seinem voll beladenen Wagen und fuhr mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Stadt. „Schaffe ich es noch vor dem Abend in die Stadt?“, fragte er einen Fußgänger, den er auf dem Weg traf. „Sicher“, antwortete dieser, „aber sie müssen langsamer fahren.“ Der Fuhrmann dachte bei sich: „Der spinnt ja!“, peitschte seine Pferde und fuhr noch schneller auf der holprigen Straße. Plötzlich brach ein Rad, der Wagen stürzte und seine Ladung polterte auf die Straße. Der Fußgänger holte den Fuhrmann ein und sprach: „Sehen sie nun, dass ich recht hatte? Ich komme zu Fuß vor ihnen in die Stadt. Sie werden es nicht mehr schaffen, bis die Tore schließen. Deshalb merken sie sich: Eile mit Weile, und sie werden das Ziel auch erreichen.“
Haben da die Lernenden doch recht, wenn sie sagen, mach mal langsam, wie es auch ein irisches Sprichwort weiß: „Gott schuf die Zeit, von Eile hat er nichts gesagt.“ Und auch Gott wusste, wie wichtig Ruhepausen sind, wenn er nach der Schöpfung am siebten Tage ruhte. Ruhepausen sind von Gott geschenkte Zeit, die wir uns immer wieder am Tag, in der Woche, im Monat und im Jahr gönnen dürfen und wo wir entscheiden können, was wir mit dieser Zeit machen: faul sein, einfach nur ruhen oder sich neu fokussieren auf sich selbst, denn in der Ruhe liegt die Kraft. Somit hat alles seine Zeit, wichtig ist zu erkennen, welche Zeit jetzt ist: Zeit zu arbeiten, zu feiern, zu lachen und zu weinen, zu entspannen und sich Ruhe zu gönnen, auch wenn manche genau damit Schwierigkeiten haben. Gewiss können wir sein, dass meine Zeit in Gottes Händen steht (Ps 31,16), jede meiner Zeiten. Genießen und nutzen wir unsere geschenkte Zeit, die Gott uns gegeben hat.

 

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