Dem Leben vertrauen
12. Sonntag nach Trinitatis
evangelisch, Rieden
Immer wieder machen Menschen die Erfahrung, wie gelähmt zu sein. Sie spüren, dass Leib und Seele gefangen sind in Zweifel und Lieblosigkeit, Gewalt und Demütigung. Wer gelähmt ist, steckt fest. Er/sie kann nicht auf eigenen Beinen stehen. Nicht gehen. Keinen anderen Standpunkt einnehmen. Keine neuen, lebendigen Erfahrungen machen. Er/sie kann nicht mit den anderen beim Fest tanzen. Und auch seine/ihre Seele atmet nicht mehr.
Wer gelähmt ist, kann seine/ihre Gefühle nicht mehr spüren. Seine/ihre Freude, Lust, Neugierde auf etwas Neues sind wie eingefroren. Die Stimme versagt und die Worte bleiben stumm. Schweigen, Angst und Traurigkeit sind wie falsche Freunde neben ihm/ihr und flüstern Worte ins Ohr, die ihn/sie noch tiefer in die Tiefe ziehen.
Es gibt auch die anderen, die Nicht-Gelähmten. Die von Jesus gehört haben. Die ihm alles zutrauen. Sie tragen den Mutlosen mit seinem Zweifel zu ihm. Jesus ist damit beschäftigt, seine Geschichten von Gottes Welt den Menschen zu erzählen und in ihnen neue Hoffnung und neues Vertrauen zu wecken. Jesus macht allen, die ihm zuhören, Mut, eigene Wege zu gehen und keinen Mit-Menschen aus dem Blick zu verlieren.
Die Freunde tragen ihren gelähmten Freund bis ins Haus, in dem Jesus predigt. Er sieht ihn an. Er sieht nicht die Zweifel und Gottferne, sondern seinen Glauben. Seinen Mut. Sein Leben. Seine Zukunft.
Und dann spricht er die erlösenden Worte: Deine Gottferne steht nicht mehr zwischen dir und mir. Steh auf, nimm dein Bett und gehe deinen Weg ins Leben zurück. Gehe deinen Weg und entdecke deine Begabungen.
Lass deine Selbstzweifel und Schuldgefühle und alles, was dich gelähmt hat, zurück. Entdecke die Dankbarkeit und Zuversicht. Die Liebe und den Mut. Entdecke den Himmel in deinem Erdenleben. Du brauchst dich nicht mehr vor den Menschen zu verstecken.
Geh einfach los und vertraue mir, spricht Jesus.
