Befiehl du deine Wege

Trinitatis

Von Pfarrer Sven Dreiser
evangelisch, Rieden

„Was trotzest du, stolzer Tyrann, dass deine verkehrte Gewalt den Armen viel Schaden tun kann? Verkrieche dich und schweige nur bald!“ Diese Zeilen stammen nicht etwa von der demokratischen Protestbewegung in Amerika, Persien oder anderswo. Dieses Gedicht stammt von Paul Gerhardt, geschrieben vor über 350 Jahren und der Text zeigt, wie aktuell und modern dieser streitbare Pfarrer und Poet auch heute noch ist.

Seine mutigen Worte machen ihn auch für unsere durch extremistische Bewegungen gefährdete Demokratie zu einem Vorbild. Ein Vorbild für trotzigen Widerstand in unsicheren Zeiten. Widerstand mit Worten und Musik. Für Paul Gerhardt ist es ein bewegtes Leben. Mittendrin im Streit der Welt. Gerhardts Liedtexte gehören zu unserem Kulturerbe. Weil sie keine theologischen Wortspiele sind, hinter denen sich der eigene Glaube oder Unglaube gut verstecken lassen.

Für Gerhardt sind seine Texte eine therapeutische Überlebensstrategie. Er singt und betet sich buchstäblich durch das Tal menschlicher Tränen. Aber er hält auch an der Hoffnung und Zuversicht fest, die ihm der Glaube an Jesus schenkt. Augustinus hat einmal geschrieben: "Wirf dich mit allem, was dich bewegt, unbesorgt auf Jesus. Er fängt dich auf und hält dich fest.“

Mir gefällt dieses Bild: mit allem, was mich bewegt, kann ich Jesus nahekommen, ihn berühren, mich umarmen lassen. Ich bringe ihm meine Angst vor dem Leben und vor dem Tod, meine Einsamkeit und meine Wut. Meine Schuld und meine Zweifel. Ich halte ihm alles hin und in seiner Umarmung entstehen neuer Glaube und fröhliche Zuversicht.

Vor 350 Jahren ist Paul Gerhardt gestorben und hat uns mehr als 140 Liedtexte hinterlassen. Viele davon finden sich in unserem Gesangbuch. Es lohnt sich, seine poetischen Worte zu meditieren und mehr noch: zu singen. Und den Trost zu spüren, der in ihnen zu finden ist.

 

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