Rosige Zeiten

2. Sonntag nach Trinitatis

Von Pfarrerin Ruth Stein
Evangelische Pfarrerin

´Rosigere Zeiten`, im Hinblick auf Weltpolitik oder Wirtschaftslage wünschen wir uns die wohl alle, aber im wörtlichen Sinne erleben wir sie gerade:

der Juni ist der Rosenmonat schlechthin!

Überall blühen sie jetzt, in Gärten und Parks. Seit die Kreuzritter die Rose im Mittelalter nach Europa brachten, begeistert sie mit ihren unterschiedlichen Blütenformen, unendlich vielen Farben und Schattierungen und viele Sorten auch mit betörendem Duft. Kein Wunder, dass so viel Schönheit inspiriert und uns die Königin der Blumen in Kunst und Architektur, in Literatur und Musik begegnet. Mir hat es dabei eine Liedzeile besonders angetan:

´Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht…`, so beginnt ein Lied, das vor gut 40 Jahren gedichtet wurde in Anlehnung an die berühmte Geschichte der heiligen Elisabeth, die im 13. Jahrhundert an den Thüringischen Hof verheiratet wurde.  Erschüttert von den elenden Lebensbedingungen ihrer Untergebenen, kümmert sich die Landgräfin persönlich um Hungernde und um die medizinische Versorgung von Kranken. Das gefällt ihrem Mann überhaupt nicht. Die Legende erzählt, dass er sie abpasst, als sie einmal wieder Brot aus den Vorratskammern des Schlosses entwendet hat, um es armen Dorfbewohnern zu bringen. Eine gute Gelegenheit, seine Frau auf frischer Tat zu überführen und entsprechend zu bestrafen, zwingt er Elisabeth, ihren Korb aufzudecken, doch da drin liegen – o Wunder – statt der Brote plötzlich Rosen!

Für mich zeigt das Rosenwunder der heiligen Elisabeth die Schönheit der Nächstenliebe, wie sie verwandelt und Blüten treibt. Denn genauso wie wir Menschen zum Leben Brot benötigen, Nahrung für den Bauch, brauchen wir, was uns mit Freude erfüllt und glücklich macht, Zuwendung, Würde, Schönheit und Liebe. Und solche Nächstenliebe ist etwas anderes als Almosen geben, denn wer teilt, begegnet dem anderen auf Augenhöhe und nicht von oben herab. Es wäre schön, wenn die Bereitschaft zu teilen unser Miteinander und die gegenwärtigen Debatten so prägen würde wie die Rosenblüte gerade unsere Gärten schmückt. Auch in diesem Sinne wünsche ich uns ´rosigere Zeiten`!