Unverdient!
Karfreitag
Von Pastor David Rauhut
Koblenz
Wieder in Hamburg. Herrlich! Wir genießen die Schiffe, den Geruch des Wassers, den leckeren Kaffee und das Flair der Weltstadt. Plötzlich, mitten auf dem Jungfernstieg, stoppt uns die Polizei. „Diese Straße ist für Fahrzeuge gesperrt“, so lässt der Polizist mich wissen. „Das tut mir leid, ich habe es nicht gesehen“, antworte ich. Der Beamte nimmt meine Papiere und verschwindet. Kurze Zeit später kommt er zurück: „Eigentlich müsste ich Sie jetzt gebührenpflichtig verwarnen, aber ich belasse es bei einer mündlichen Verwarnung. Und für das Geld, das Sie jetzt gespart haben, gehen Sie mit Ihrer Frau ein Eis essen.“
Ich bedanke mich. Gedanken gehen mir durch den Kopf. Offensichtlich hatte ich ein Schild übersehen. Mein Fehler. Meine Schuld. Und dennoch: Eis statt Verwarnungsgeld! Das ist GNADE.
GNADE, das steht auch über Karfreitag. Einer, Jesus, stirbt unschuldig. Nicht deshalb, weil die damalige Elite ihn ablehnte. Nicht deshalb, weil die damaligen Machthaber mit ihm ein Problem loswerden wollten. Nein, das größere Bild dahinter zeigt uns mehr: Er, Jesus, trägt die Vergehen anderer, damit andere, damit wir, frei ausgehen können! GNADE.
Vielleicht war es in Hamburg das kleine „Es tut mir leid!“, das den Polizisten zu seiner freundlichen Entscheidung veranlasste. Ganz sicher aber ist es ein ehrliches „Es tut mir leid!“, das Gott veranlasst, uns zu vergeben. Und war das „polizeilich verordnete Eis“ schon ein wunderbares Erlebnis, so ist von Gott vergebene Schuld noch ungleich viel schöner und befreiender. Eine Erfahrung, die ich uns allen wünsche, nicht nur in diesen Tagen.
