Resolution gegen Antisemitismus und judenfeindliche Angriffe

Einstimmiger Beschluss des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz

Koblenz. Der Evangelische Kirchenkreis Koblenz hat bei seiner Synodaltagung am Samstag (16. November 2019) in Koblenz einstimmig beschlossen, sich eine Resolution der Evangelischen Kirchengemeinde Oberwinter gegen Antisemitismus und judenfeindliche Angriffe zu eigen zu machen und diese in allen Gottesdiensten des Kirchenkreises am Buß- und Bettag (Mittwoch, 20. November) abzukündigen sowie sie der Öffentlichkeit kundzutun.

Resolution

Die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz nimmt mit größter Sorge zur Kenntnis, dass in unserem Land in offener und in dreister Form antisemitische und judenfeindliche Angriffe vehement zunehmen. Der bewaffnete Angriff auf eine Synagoge in Halle während des höchsten jüdischen Feiertages Jom Kippur vom 9. Oktober 2019 und weitere Angriffe auf Jüdinnen und Juden in Berlin, das Mobben von jüdischen Schülerinnen und Schülern, antisemitische Schmierereien und NS Symbole auf Grabsteinen und Briefkästen, telefonische Drohungen sowie judenfeindliche Kommentare und antisemitische Lieder im Internet und das Delegitimieren des Staates Israel sind gänzlich unerträglich. Das alles nehmen wir nicht stumm hin!

Wir erinnern als Evangelischer Kirchenkreis Koblenz daran, dass auch durch uns als Evangelische Kirche in kirchlicher Lehre und Liturgie über Jahrhunderte hinweg eine antijüdische Haltung verbreitet wurde, die mit zur Durchsetzung des rassistischen Antisemitismus der Neuzeit beigetragen hat. Dieser gefährlichen Tradition im eigenen Haus haben wir mit dem Synodalbeschluss von 1980 der Evangelischen Kirche im Rheinland zu Umkehr und Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden eine deutliche Absage erteilt. Heute bekennen wir: Antisemitismus und Christentum schließen einander aus. Judenfeindschaft in und außerhalb der Kirche sind nicht zu tolerieren. Wer das Judentum schmäht, schmäht uns heute in gleicher Weise. Auch erinnern wir an die Gründungsversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948, der jegliche Form des Antisemitismus als Sünde gegen Gott und die Menschlichkeit verurteilt hat.

Wir fordern unsere Gemeinden auf, allen Formen von antisemitischen Taten und Äußerungen in und außerhalb der eigenen Reihen entgegenzutreten. Wir erinnern auch an die in der Verfassung gewährleistete ungestörte Religionsausübung (Art. 4 Grundgesetz) und appellieren an die verantwortlichen Stellen, jüdische Begegnungsstätten zu sichern.

Wir fordern unsere Bildungseinrichtungen und politisch Verantwortliche auf, auf die Zunahme von Antisemitismus und Judenfeindschaft mit verstärkter Bildung – und Präventionsmaßnahmen zu antworten. In den Schulen, in Gruppen und Kreisen unserer Gemeinden, darf es kein Verdrängen oder Verharmlosen antisemitischer Vorfälle geben.

Wir ermutigen dazu, geeignete Zeichen der Solidarität und der Pflege guter Beziehungen zu jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn zu setzen.

Wir wollen uns stärker dafür einsetzen, dass die Mitglieder der jüdischen Gemeinschaften unsere Kirchengemeinden als Orte von spürbarer Solidarität erfahren, in denen ihnen Christinnen und Christen mit Respekt und Anerkennung begegnen.

Resolution: Pfarrer Michael Schankweiler, Synodalbeauftragung Christlich-jüdischer Dialog, Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Oberwinter. Foto: Tillmann Böhme.

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