Neues Heizkonzept in der Andernacher Christuskirche

Prof. Andreas Huster baute zunächst maßstabsgerechte Modelle, um die Wirkung im Andernacher Kirchenraum zu prüfen.

Andreas Schulte, Verwaltungschef der Evangelischen Kirchengemeinde Andernach, über die Entscheidung für Infrarotstrahler, die zugleich den Geldbeutel und das Klima schonen.

Andernach. 12.000 Liter Heizöl. 12.000 Liter und das nur beim Nachtanken – da schluckt jeder erst einmal. Ich habe auch geschluckt und nachgefragt: Warum wurde so viel Heizöl nachgetankt? Die Antwort ließ mich gleich noch mal schlucken: Allein für die Beheizung des vermieteten Kita-Gebäudes kam jedes Jahr eine vierstellige Menge zusammen, dazu natürlich die Kirche selbst.

Die Christuskirche in Andernach ist eine ehemalige Minoritenkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert, mit einem 18 Meter hohen Kreuzrippengewölbe und einem mehr als 50 Meter langen Innenraum. Denkbar schlechte Voraussetzungen, um Heizöl einzusparen. Trotzdem wurde der Gedanke im Presbyterium aufgegriffen. „Unser Presbyterium hat sich das Thema Ökologie als einen Arbeitsschwerpunkt auf die Fahnen geschrieben“, so Pfarrer Jürgen Gundalin, Vorsitzender des Presbyteriums, „da ist ein hoher Heizölverbrauch nicht mehr zeitgemäß.“

Wir suchten nach neuen Lösungen. Prof. Andreas Huster, Experte für Energiemanagement der Hochschule Koblenz und Ehemann unserer Bauausschuss-Vorsitzenden, bot seine Unterstützung an. Sein Votum: Infrarotheizstrahler, denn die erwärmen lediglich Körper und nicht die komplette Umgebungsluft. Allerdings führen Heizstrahler, die an einer Seitenwand angebracht sind, zu dem sogenannten „Lagerfeuer-Effekt“: Man spürt die Wärme auf der einen Körperseite, während die andere eiskalt bleibt. Beispiele für Infrarotstrahler, die wie eine Hängelampe von oben wärmen, haben leider häufig den optischen Charme einer Brutlampe. Also haben wir weiter recherchiert.

Schließlich stieß ich auf die Firma Haller in Riedlingen. Die Firma hat die sogenannten Orbi-Heater entwickelt. Das größte Modell hat einen Außendurchmesser von 1,65 Meter und eine Heizleistung von 5400 Watt, neun LED-Strahler sorgen für Licht. Installiert in vier Metern Höhe, können sie rund 45 Quadratmeter Fläche bestrahlen.

Wir haben uns dann zusammengesetzt und gerechnet. Das Ergebnis war für alle ziemlich überraschend. In der Kirche wird zu einem Gottesdienst die Temperatur von etwa zehn Grad auf 16 bis 18 Grad angehoben. Ölheizung und Umluftanlage benötigen dafür sechs Stunden. Das heißt, bei einem einstündigen Gottesdienst muss die Heizungsanlage sieben Stunden arbeiten. Die Betriebsstunde kostet rund 60 Euro, unterm Strich 420 Euro.

Mit insgesamt acht Infrarotstrahlern à 5,4 Kilowattstunden kommt man auf 13 bis 15 Euro pro Gottesdienst. Berücksichtigen muss man natürlich die Kosten für die Grundwärme in der Kirche (acht Grad), aber dennoch bleibt die Kostenersparnis enorm hoch – und der Effekt für den Klimaschutz durch deutlich geringeren Ölverbrauch auch. Die Orbi-Heater werden mit Ökostrom betrieben, den die Gemeinde seit Ende 2017 für alle ihre Gebäude bezieht. Mittelfristig soll der Strom über Photovoltaikanlagen selbst erzeugt werden. Außerdem kann man, anders als heute, auch nur Teile der Kirche beheizen. Auch das schont Geldbeutel und Klima.

Die Gemeinde hat sich schließlich entschieden, acht Orbi-Heater zu bestellen. Ab dem kommenden Winter wird dann die Christuskirche flexibler genutzt werden können. Das notwendige Nachtanken von 12.000 Liter Heizöl dürfte bald der Vergangenheit angehören.

Autor: Andreas Schulte. Foto: Haller Energiefreiheit GmbH.

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