7. Dezember – Bewegende Lebensbilder spiegeln ein Stück rheinische Kirchengeschichte

Blick auf 100 rheinische Protestanten/Buchvorstellung in Koblenz

Koblenz/Düsseldorf. Heinrich Weinmann (1898 - 1977) glaubte an eine Neugeburt der Kirche, „weil uns im Führer ein so einzigartiger Gottgesandter entstanden ist“, wie er es in einem Brief ausdrückte. Der Pfarrer der Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf ist ein Beispiel dafür, wie junge Theologen in den Sog der NS-Ideologie gerieten. Aufgewachsen in einer Pfarrersfamilie in Heddesheim, kommt er 1932 nach Pfaffendorf. 1933 tritt er in die NSDAP ein und wird Mitglied der Deutschen Christen. Fanatisch kämpft er für deren Ideale, gehört zu den Gründungsmitgliedern des „Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“.

Weinmann ebenso wie die von ihm bekämpften Vertreter der Bekennenden Kirche in Koblenz, Pfarrer Wilhelm Winterberg und Karl Hermann (er nahm an der Barmer Bekenntnissynode 1934 teil), sowie der Pfarrer und spätere Superintendent des Kirchenkreises Koblenz, Wilhelm Rott, gehören zu den rheinischen Protestantinnen und Protestanten, die in dem neuen Buch „Zwischen Bekenntnis und Ideologie. 100 Lebensbilder des rheinischen Protestantismus“ vorgestellt werden.

Der Band enthält Kurzbiografien von hundert evangelischen Persönlichkeiten, die unmittelbar vor, während oder in den Jahrzehnten nach der NS-Zeit gelebt und in der rheinischen Kirche gewirkt haben. Ihre Lebensgeschichten bieten einen spannenden Zugang zur bewegten Geschichte dieser Jahre. Dabei wird auch der Blick auf dunkle Seiten der Kirchengeschichte nicht ausgespart.

Buchvorstellung am 7. Dezember in Koblenz

Professor Dr. Thomas Martin Schneider ist einer der Mitherausgeber des Buches. Der geschäftsführende Leiter des Instituts für Evangelische Theologie an der Universität Koblenz-Landau, stellt den spannenden Band am Freitag, 7. Dezember 2018, in der Buchhandlung Reuffel, Löhrstraße 92, 56068 Koblenz, vor. Beginn ist um 16 Uhr.

Geschrieben haben die Porträts mehr als drei Dutzend Autorinnen und Autoren. Die Auswahl der Personen wurde von dem Bemühen geleitet „den rheinischen Protestantismus im 20. Jahrhundert zumindest exemplarisch in seiner ganzen Breite abzubilden“, heißt es in der Einleitung. So finden sich in dem Band sowohl die Väter der Bekennenden Kirche (BK) wieder, die gegen die NS-Kirchenpolitik und die Gräueltaten der Nazis aufstanden, wie auch glühende Anhänger der sogenannten Deutschen Christen, die die Gleichschaltung der Kirche im NS-Staat befürworteten.

Auch im 20. Jahrhundert in der Kirche noch stark unterrepräsentierte Frauen, die als Theologinnen oder engagierte Ehrenamtliche arbeiteten, werden vorgestellt. „Die Stärke der Lebensbilder liegt in der ehrlichen Auseinandersetzung mit dem historischen evangelischen Milieu, das leider lange Zeit allzu konservativ und deutschnational orientiert war“, resümiert Simone Rauthe in ihrer Bilanz am Ende des über 350 Seiten starken Buches.

„Das Buch soll historisch interessierte Leserinnen und Leser durch seinen unmittelbaren lebensgeschichtlichen Zugang ansprechen. Abseits abstrakter politischer oder theologischer Denkgebäude kann es so zum Verständnis des Hier und Jetzt unserer Kirche beitragen“, sagt Stefan Flesch, Direktor des Landeskirchlichen Archivs der rheinischen Kirche, der zu den Herausgebern gehört.

„Zwischen Bekenntnis und Ideologie.
100 Lebensbilder des rheinischen Protestantismus“,
hrsg. von Thomas Martin Schneider, Joachim Conrad und Stefan Flesch; Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2018
ISBN 978-3-374-05617-0; Preis: 30 Euro.

Pressemitteilung der Evangelischen Kirche im Rheinland vom 14. November 2018. Cover: Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig.

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