Kirchenasyl in Oberwinter glücklich beendet

Oberwinter. Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Oberwinter berichtet in der aktuellen Ausgabe des Gemeindebriefes:

Mitte Dezember 2018 wurde an Pfarrer Michael Schankweiler die Bitte herangetragen, ob die Gemeinde Oberwinter eine iranische Familie ins Kirchenasyl aufnehmen könne, die von Abschiebung nach Italien bedroht sei. Bei den in Remagen-Kripp wohnhaften Verwandten der Familie traf der Oberwinterer Seelsorger die vier Menschen zum ersten Mal. Sie erzählten ihm ihr Schicksal.

Als Suffisten, zu denen sie gehören, einer friedliebenden und liberalen Religionsgemeinschaft, aber von den Mullahs im Iran verfolgt und bespitzelt und sogar von Haft und Folter bedroht, musste die Familie Mohktari Hals über Kopf das Land verlassen. Da nach dem Dublin III Abkommen das europäische Land, das ein Asylsuchender zuerst betritt, für ein Asylverfahren zuständig ist, sollten diese schutzsuchenden Menschen wieder nach Italien abgeschoben werden: Vater, Mutter, eine zwölfjährige Tochter und der 24-jährige Sohn. Im Dezember mehrten sich die Nachrichten, dass sich der italienische Staat entweder politisch gewollt oder aus Überforderung heraus, sehr schlecht oder gar nicht um Asylsuchende kümmere. Viele Flüchtlinge landeten in der Obdachlosigkeit. Mehrere Faktoren sprachen dafür, hier zu helfen. Nicht zuletzt auch die nahe Weihnachtszeit mahnte, mit ihrem „kein Raum in der Herberge“ bei dem Evangelisten Lukas zu lesen, Raum für flüchtende Menschen zu schaffen. Überzeugt, nun einen mutigen Schritt zu tun Saeed, Hasti, Shanaz, Hassan und angerührt von der angstvollen Hoffnungslosigkeit dieser Menschen, beschloss das Oberwinterer Presbyterium, zur Tat zu schreiten und die Familie ins Kirchenasyl zu nehmen. Ganz oben im Pfarrhaus stand noch ein Raum leer, den man als Schlafstätte herrichtete. Das Presbyterium beschloss auch, die Kosten für die Verpflegung aus Diakoniemitteln zu bestreiten. Außerdem bekam die Oberwinterer Gemeinde volle Rückendeckung durch die Landeskirche, vertreten durch Kirchenrat Rafael Nikodemus und die Juristin Juliane Köhler sowie dem Präses. Dazu gründete sich ein Helferkreis mit Menschen, die einkauften, zur Apotheke gingen, die Familie auch mal zum Essen einlud oder ihnen die deutsche Sprache nahe brachte. Im Gottesdienst am Heiligen Abend goutierte die Gemeinde die Entscheidung des Presbyteriums für ein Kirchenasyl mit Applaus. Eine große Hilfe in dem Bemühen, christliche Nächstenliebe wahr werden zu lassen, geschah durch das franziskanische Inselgymnasium Nonnenwerth. Pfarrer Michael Schankweiler, der seit über zwanzig Jahren der dortige evangelische Schulseelsorger ist, bat um einen Schulplatz für die zwölfjährige Hasti. Tatsächlich kam von Trier grünes Licht, begünstigt durch die Fürsprache der Schulleitung. Die Schulgemeinschaft nahm Hasti freundlich und neugierig in ihrer Mitte auf. Die Zeit verging — sechs Monate Ungewissheit mussten die vier Menschen bewältigen. Sie erlebten das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel, feierten Karneval und besuchten viele Gottesdienste, waren mit auf Konfifahrt in Kaub am Rhein und sahen, wie die jungen Menschen Mitte Mai konfirmiert wurden. Sie wurden ein Teil von uns. Und dann geschah das Wunder vor unseren Augen: Ende Mai, Anfang Juni 2019. Das Verwaltungsgericht Trier entschied: Sie dürfen in Deutschland bleiben! Sie dürfen sich ein Leben in Freiheit, Würde, Sicherheit und Frieden aufbauen. Sie müssen keine Angst mehr haben, nicht vor Abschiebung, nicht vor den täglichen Nöten einer Sammelunterkunft, nicht vor religiösem oder politischem Fanatismus. Eine tragische Geschichte hat ein glückliches Ende gefunden. Die Freude über diesen Sieg der Menschlichkeit ist unbeschreiblich. Wenn Sie, die Sie das jetzt lesen, sagen, davon haben wir ja gar nichts gewusst, dann kommt das so: Intensive Beratungen mit der Landeskirche hatten uns zu dem Entschluss geführt, zwar die Verantwortlichen in den Kommunen, aber nicht die Presse zu informieren, um die betroffenen Menschen größtmöglich zu schützen und sie nicht der Gefahr einseitiger Berichterstattung auszusetzen.

Quelle: Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Oberwinter. Foto: Kirchengemeinde Oberwinter. Internet: http://www.kirche-oberwinter.de/.

 

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