22 statt 44 Pfarrstellen - konstruktiv mit Veränderungen umgehen

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz hat am Wochenende (26. und 27. Oktober) in Bad Neuenahr-Ahrweiler getagt.

„Agieren“ – Pfarrstellenplanung und Gemeindeentwicklung bis 2030

Prognosen für das Jahr 2030 besagen, dass von heute 42,25 Pfarrstellen in den 24 Gemeinden des Kirchenkreises Koblenz rechnerisch nur noch 22,44 Pfarrerinnen und Pfarrer ihren Dienst ausüben werden.
Die Gründe dafür sind vielfältig und regional verschieden. Zahlreiche Pfarrerinnen und Pfarrer gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Theologischer Nachwuchs ist rar. Der demographische Wandel führt unter anderem vielerorts dazu, dass weniger evangelische Christinnen und Christen zu einer Kirchengemeinde gehören, andernorts wachsen Gemeinden durch große Neubaugebiete.

Eine Arbeitsgruppe aus fünf Pfarrerinnen und Pfarrern hat sich 2018 gebildet und im Rahmen eines Workshoptages ermittelt, wie mit den sich abzeichnenden Veränderungen konstruktiv umgegangen werden kann.

Als wichtiges Ziel bezeichnet es Pfarrerin Metje Steinau (Mayen): „die Pfarrkolleginnen und -kollegen für das Thema zu sensibilisieren und deutlich zu machen, dass wir jetzt noch agieren können, während wir irgendwann nur noch reagieren können.“ Erweiternd fügte Pfarrer Markus Risch (Emmelshausen-Pfalzfeld) hinzu, deutlich sei geworden, dass "wir in Zukunft noch mehr auf ein Miteinander angewiesen sind: Wir wollen und müssen, wenn die Ergebnisse nachhaltig sein sollen, unten ansetzen – an der Basis, bei den Gemeinden und den Gemeindeleitungen, den Presbyterien!“

Als wichtigen Zwischenschritt brachten die Synodalen auf den Weg:
„Die Kreissynode beschließt, dass bis zur Herbstsynode 2019 in allen vier Regionen des Kirchenkreises (Ahr, Nette, Koblenz, Südwest) jeweils ein Presbytertag zum Thema „Pfarrstellen- und Gemeindeentwicklung bis 2030“ durchgeführt wird. Hier sollen weitere Ideen und Vorschläge zusammengetragen werden, wie auf die in Zukunft sinkende Zahl von Pfarrpersonen in den jeweiligen Regionen reagiert werden kann.
Diese Presbytertage werden von einer Vorbereitungsgruppe organisiert, die aus Pfarrerinnen/Pfarrern sowie Presbyterinnen/Presbytern der unterschiedlichen Regionen besteht.“

Das Redemanuskript zur Kreissynode von Superintendent Rolf Stahl steht hier zum Download bereit...

Kirchen auf der Landesgartenschau 2022

Wenn die Landesgartenschau Bad Neuenahr-Ahrweiler in vier Jahren Gäste an die Ahr lockt, beteiligen sich auch die Kirchen am Programm. In enger ökumenischer Verbundenheit ist die Planung für insgesamt sechs Monate Landesgartenschau angelaufen. Zuständig für die Evangelische Kirchengemeinde Bad Neuenahr sind Thomas Rheindorf und Rüdiger Humke. Zur Mitgestaltung ermutigten in ihren Grußworten zur Synode ausdrücklich Jörn Kampmann, Geschäftsleitung der Landesgartenschau  2022 gGmbH, und Bürgermeister Guido Orthen. Der Kreissynodalvorstand fasst in Kürze einen Beschluss zur offiziellen evangelischen Beauftragung.

Zum nicht-theologischen Abgeordneten der Landessynode wählte die Kreissynode Jörg Wienpahl, Presbyter der Evangelischen Kirchengemeinde Mendig.

Die nächste Kreissynode findet statt am 15. und 16. November 2019 in Koblenz.

Der Evangelische Kirchenkreis Koblenz ist ein regionaler Zusammenschluss von 24 Kirchengemeinden mit insgesamt 80.969 Protestantinnen und Protestanten im nördlichen Rheinland-Pfalz (Stand Oktober 2018 / Anfang 2017: 81.523).

Er dehnt sich aus von Oberwinter im Norden bis zum südlichsten Zipfel in Oberdiebach und Manubach, geht den Hunsrück hinauf bis Emmelshausen und Pfalzfeld, in das Moseltal hinein bis Cochem und in das Ahrtal bis Adenau. Flächenmäßig bildet er so den zweitgrößten Kirchenkreis innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Pressemitteilung: Katrin Püschel. Fotos: Tillmann Böhme.

Randnotizen zur Synode von Pastorin Katrin Püschel

Stell Dir vor...

Es ist Sonntag. Du gehst zum Gottesdienst. Heute mit Abendmahl. Am Eingang zur Kirche gibt Dir jemand ein Plastikdöschen in die Hand. Es sieht so aus wie die kleine Milchportion für den Kaffee, zugeschweißt. Auf dem Deckel liegt noch etwas unter Plastikfolie. Darauf gedruckt: Worte in englischer Sprache. Du suchst Dir einen Platz, betrachtest das „Ding“ genauer und stellst fest: Da ist Flüssigkeit drin. Im Deckel verbirgt sich eine kleine Oblate. Abendmahl? Abendmahl!

In den USA gibt es die Praxis, vor Gottesdiensten mit sehr vielen Teilnehmenden Brot und Wein zum Abendmahl im Voraus, gut verpackt, auszuteilen. Das spart Zeit. "Leib und Blut Jesu Christi", glutenfrei und ohne Alkohol. Prinzipiell eine ganz gute Idee, denke ich, wenn wirklich alle zum Abendmahl eingeladen sind. Auch Allergikerinnen und alkoholkranke Menschen.

Erstmals begegnet sind viele dieser Form der Sakramentsausteilung in der Martin-Luther-Kirche, Bad Neuenahr Ahrweiler, am Freitag. Traditionell werden evangelische Synoden mit einem Abendmahlsgottesdienst eröffnet. Das „Ding" hat für Gesprächsstoff gesorgt. Und zum Nachdenken angeregt. Was bedeutet mir die Feier des Heiligen Abendmahls in der Form, die mir vertraut ist?

Abschließend das Statement eines Mannes, der den Gottesdienst mitgefeiert hat:
„Es ging ja um ‚Prüfet alles und das Gute behaltet‘ (1 Thessalonicher 5,21). Vielleicht kann man [...] sagen, dass ‚Kirche Mut zum Experiment braucht - sich aber gut überlegen sollte, an welchen Stellen sie lieber Traditionen bestehen lassen sollte, um ihren Wesenskern nicht zu verlieren. Dieses Abendmahl hatte weder Gemeinschaftscharakter noch entspricht es meinen Vorstellungen eines himmlischen Festmahles.“

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