14. August bis 4. September - Delegation des philippinischen Partnerkirchenkreises Agusan zu Gast im Evangelischen Kirchenkreis Koblenz

Volksfest auf dem zugefrorenen Rhein 1768/68, Gemälde des kurtrierischen Hofmalers Bernhard Gottfried Manskirsch (1736-1817)

Generalthema der entwicklungspolitischen Lernreise: „Menschenrechte“

Der Evangelische Kirchenkreis Koblenz war in diesem Sommer drei Wochen lang Gastgeber für drei Abgeordnete der United Church of Christ in the Philippines (UCCP). Mit dem Generalthema „Menschenrechte“ befassten sich gemeinsam mit dem Philippinen-Arbeitskreis die stellvertretende Superintendentin Jerusa Semacio, der Direktor des Mindanao Institute Joseph Tumanlas und der Gemeindepfarrer und Abgeordnete zum Nationalen Kirchenrat Pfarrer Jolly Tubo.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Mission und Ökumene, Klaus Schneidewind, leitete seinen Rückblick auf den Besuch aus Agusan programmatisch so ein: „Der Beginn der Partnerschaft (1985) stand unter dem Motto UNITY FOR JUSTICE - JUSTICE FOR UNITY und unter der biblischen Einsicht „…Wenn ein Glied leidet, leiden alle mit“. Folglich dann auch das Bemühen‚ ‚mit den Augen der Anderen zu sehen‘. Das ist trotz der großen Entfernung von 14.000 km und der langen Zeit eigentlich geblieben. Es soll auch so weitergehen.“

Mit einem großen Dankeschön wurden Doris und Gernot Jonas, die Gastgeber und Quartiergeber der Delegation aus Andernach-Namedy, gewürdigt. Die drei Delegierten aus Agusan waren nicht nur gut untergebracht und liebevoll betreut. Das gastliche Haus und der schöne Garten wurden zu Orten der ökumenischen Begegnungen, des Gebets, des Lernens, der bedeutsamen Gespräche und Planungen. Ein großer Dank ging auch an Wilfried Neusel und an alle Mitglieder im Philippinen-Arbeitskreis sowi an die vielen Personen, die das intensive Besuchsprogramm mit organisiert und in die Tat umgesetzt haben.

Zur Delegation gehörten drei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich wunderbar ergänzten und nicht konkurrierten. Sie waren die bescheidensten und angenehmsten Gäste, denen ein anspruchsvolles und auch aufreibendes Programm zugemutet wurde. Sie absolvierten es bereitwillig und sehr interessiert an allen Eindrücken bis zum Schluss.

Der Sonntag in der Gemeinde in Polch war für die Gäste und die begleitenden Personen ein gutes Einstiegserlebnis. Dass viele Gemeindeglieder ökumenisch und gesellschaftspolitisch engagiert sind, wurde in der ausführlichen Darstellung der Aktivitäten deutlich.

Der Besuch am Atomdepot Büchel und die friedliche Begegnung mit dem Militär war für die Gäste schwer einzuordnen nach den Erfahrungen, die sie im Alltag durch die Militarisierung und das Kriegsrecht auf Mindanao erleben. Wie schätzen sie die Gefahr von Atomwaffen ein? Die Angst wurde laut, dass die USA auf ihren großen Militärstützpunkten im Norden der Philippinen auch Nuklear-Waffen lagern könnten. Es wurde auch über Hiroshima gesprochen.

Es bleibt wohl offen, wie die Gäste unsere Situation in Kirche, Gesellschaft und Politik einschätzen. Sie hielten sich mit Kritik sehr zurück. Natürlich bemerkten sie, wo bei Veranstaltungen die Jugend fehlte. Umso freudiger war das Wiedersehen von Johanna und Natalja aus dem Kirchenkreis Koblenz, zwei Teilnehmerinnen der Jugendbegegnung in Agusan (2007) mit Jolly und Ahami.

An den Sonntagen in Oberwinter und Remagen erlebten die Gäste jeweils sehr unterschiedliche Gemeindeaktivitäten und -gruppen. Die Besucher waren überall willkommen und brachten sich ein so wie vorher vereinbart und vorbereitet. In ihren frohen und traurigen Geschichten erfuhren wir viel über ihren Alltag.

Besonders betroffen waren wir, immer wieder von Morden an Menschenrechtsaktivisten zu hören, von Vertreibungen der Lumads (einheimische Bergbevölkerung), von Landenteignungen und von ökologischer Verwüstung beim Bergbau.

Der Schwerpunkt der dreiwöchigen Begegnung war das Thema „Menschenrechte“. Dahinter verbarg sich das Anliegen, zu einem gemeinsamen Verständnis des Inhalts und der Bedeutung der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Menschenrechtsakte zu finden. Unsere Besucher verteidigten persönlich die UN-Pakte als in biblischer Überlieferung begründet. Später wiesen sie zu unserem Erstaunen auch darauf hin, dass in Artikel II, Abs. 11 und 12 der Kirchenverfassung der UCCP die grundlegenden Menschenrechts-Korpora der Vereinten Nationen ganz klar, zum Teil wortwörtlich, verankert sind und in der Sonntagschule, im Konfirmandenunterricht, in Gottesdiensten und Gemeindeseminaren bis in die Beratungen der Leitungsgremien hinein erinnert und thematisiert werden.

Beim Erfahrungsaustausch über kirchliches Handeln erfuhren wir Erfreuliches: Die uns aus vergangenen Jahrzehnten bekannten ideologischen Kontroversen über glaubwürdiges Christ- und Kirchesein haben sich nicht nur bei uns, sondern auch bei unseren philippinischen Partnern überlebt. Die gegenwärtigen Auseinandersetzungen werden „issue oriented“ (Ziel orientiert) geführt. Darin steckt ein gehöriges Maß an Pragmatismus und Bündnisfähigkeit. Während des Besuchs war auch zu erleben, dass die Delegierten ihre persönliche Frömmigkeit zum Ausdruck brachten, so deutlich, wie es die Koblenzer Gastgebenden in der Vergangenheit nicht spürten.

Der Schwerpunkt „Menschenrechte“ brachte zugegebenermaßen eine starke Institutionen-Lastigkeit des Programms mit sich. Aber die Besuche bei Brot für die Welt, Oikocredit, German Watch, beim Menschenrechts-Referat des BMZ, bei German Watch, bei SOLWODI, im Landeskirchenamt der EKiR, beim Menschenrechtsreferat der Vereinten Evangelischen Mission sowie Begegnungen mit Vertreterinnen des Philippinenbüros und mit einem Repräsentanten der Kindernothilfe hinterließen bei unseren Gästen den Eindruck, dass ihr leidgeprüftes Engagement für die Verwirklichung der Menschenrechte in ihrer Heimat vor allem in der kirchlichen deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen und geteilt wird.

Die Begegnung im Koblenzer Jugendreferat und in der Integrierten Gesamtschule Remagen lassen hoffen, dass die aus Resignation lange vernachlässigten Begegnungsmöglichkeiten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Partnerschaft wiederbelebt werden können. Besonders die kreativen Lebensäußerungen in Kunst, Musik, Theater, Tanz und Literatur könnten eine gewisse kognitive und karitative Einseitigkeit der partnerschaftlichen Beziehungen überwinden.

Zur Andacht mit dem Superintendenten und beim frohen Abschlussabend versammelten sich noch einmal viele, die die Gäste drei Wochen lang begleitet hatten, in den Räumen der Superintendentur in Koblenz. Mitglieder des KSV wurden allerdings schmerzlich vermisst. Der Abschied war emotional und sehr herzlich. Ebenso am nächsten Tag, als Wilfried Neusel die Gäste zum Flughafen Frankfurt brachte und mit Gebet und Segen verabschiedete.

Wilfried Neusel: „Alle, die an der lebendigen Begegnung mit den Delegierten teilhatten, spüren, dass wieder ‚Sinne und Türen‘ für die Partnerschaft geöffnet und Kräfte freigesetzt wurden zur Weiterarbeit und für neue Erfahrungen.“

Bericht: Wilfried Neusel. Redaktion: Katrin Püschel.

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