Gottes Ebenbild in allen Menschen sehen

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Seit 70 Jahren: Ökumenischer Rat der Kirchen

Der Ökumenische Rat der Kirchen ÖRK, auch Weltkirchenrat genannt, ist eine internationale Gemeinschaft von christlichen Kirchen der verschiedenen Konfessionen weltweit, die insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Christen/innen repräsentiert. Vor 70 Jahren, 1948, fand die Gründungsversammlung in Amsterdam statt. Es versammelten sich Vertreter von 147 Kirchen aus 44 Ländern. Die Mehrheit der Delegierten waren Männer und kamen aus Nordamerika und Europa. Noch unter dem Eindruck der Leiden des 2. Weltkriegs wurde die Botschaft verkündet „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“.

Heute sind es 348 Mitgliedskirchen aus über 110 Ländern auf allen Kontinenten und schließen orthodoxe, anglikanische, protestantische, vereinigte und andere Kirchen ein. Die Mehrzahl der Mitgliedskirchen kommt aus Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Pazifik. Die römisch-katholische Kirche ist kein Mitglied des Weltkirchenrats, hält aber enge Kontakte zu ihm und gehört den Kommissionen für Glaube und Kirchenverfassung sowie für Evangelisation und Mission an.

Aufgabe und Ziel des ÖRK ist das Streben nach der sichtbaren Einheit der Kirche („Einheit in versöhnter Verschiedenheit“) und das Engagement der Kirchen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zu stärken. Verschiedene Themen sind im Laufe der sieben Jahrzehnte immer wieder Schwerpunkte in der Arbeit des ÖRK gewesen: Verpflichtung zur Einheit (Woche zur Einheit der Christen), Gottes Ebenbild in allen Menschen sehen / Menschenrechte achten, spirituelles Teilen von Liedern und Gebeten (Ökumenischer Fürbittkalender), Rassismus überwinden, Bewahrung der Schöpfung (seit 1992 Einsatz für Klimagerechtigkeit), Gerechtigkeit (Wirtschaften für das Leben), Frieden (Leitbild des gerechten Friedens).

Von 1948 bis heute haben 10 Vollversammlungen des ÖRK stattgefunden. Von verschiedenen Vollversammlungen haben Impulse und Verpflichtungen in unsere Kirche durch engagierte Menschen hineingewirkt: Bei der 4.Vollversammlung 1968 in Upsala entstand die Idee von Oikocredit: ethische Geldanlagen zu ermöglichen, die zu Gerechtigkeit und Frieden beitragen. Das Konzept „Kredite statt Wohltätigkeit“ war nicht unumstritten, aber es wurde auf den Weg gebracht und 1975 wurde Oikocredit (damals EDCS) gegründet.

Bei der 6. Vollversammlung 1983 in Vancouver wurde der konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung beschlossen. Viele Basisgruppen haben daran gearbeitet und diese Verpflichtung wurde im Artikel 1,6 der Kirchenordnung der Ev. Kirche im Rheinland aufgenommen.

Die Ökumenische Dekade der Kirchen in Solidarität mit den Frauen (1988-1998) hatte zum Ziel, die gleichberechtigte Mitwirkung von Frauen in Kirche und Gesellschaft zu fördern und gegen Sexismus zu kämpfen. Um die Ziele der Dekade im Bewusstsein zu halten, hat die Ev. Kirche im Rheinland beschlossen, sie im Kirchenjahr zu verankern und hat den Mirjamsonntag eingerichtet. In vielen Gemeinden wird jährlich der Mirjamsonntag gefeiert.

Die Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt (2001-2010) wurde in vielen Kirchen und Gemeinden aufgegriffen. Der Einsatz für Frieden und Versöhnung gehört zum Kern des christlichen Zeugnisses. In Essen hat der Kirchenkreis zum Abschluss der Dekade 2010 im Kulturhauptstadtjahr eine große ökumenische Partnerschaftsbegegnung durchgeführt.

Bei der internationalen ökumenischen Friedenskonvokation des ÖRK in Kingston/Jamaika 2011 wurden die „Essener Friedensbanner“ von Ursula Thomé präsentiert.  

Das Leitbild des gerechten Friedens wurde in der ökumenischen Bewegung entwickelt. Auf der Synode im Januar 2018 hat die Ev. Kirche im Rheinland diese Wort aufghegriffen und fortgeführt (wir berichteten darüber im letzten Gemeindebrief, die Red.).

Dies sind nur einige Beispiele, die verdeutlichen, dass Impulse aus dem Ökumenischen Rat der Kirchen in unserer Kirche wirken, aber auch immer wieder Menschen brauchen, die sich dafür einsetzen.

Auf nationaler und lokaler Ebene ist die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) ein „kleiner ÖRK“, in dem die verschiedenen Kirchen (hier auch die röm.-katholische Kirche ) als eine Gemeinschaft von Kirchen zusammenarbeiten.

Die 10. Vollversammlung des ÖRK fand 2013 in Busan/Südkorea statt. Ich habe als Gast an der Versammlung teilgenommen. Bei der Frauenversammlung ist das beiliegende Foto entstanden. In Arbeitsgruppen gab es lebendigen Austausch und kompetentes Vorbereiten auf die Versammlung. Wir waren fremd und doch nah, trotz kultureller und konfessioneller Unterschiede. Die Versammlung hat aufgerufen, sich dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens anzuschließen – weltweit und vor Ort! Dazu ermutige ich alle Gemeinden, sich mit den Themen der Ökumene zu befassen. Es geht um Einheit und Mission, um interreligiösen Dialog, um Gerechtigkeit und Frieden, um Klimagerechtigkeit und Schöpfungsbewahrung.

Anlässlich des 70jährigen Bestehens des ÖRK lädt die Evangelische Kirche im Rheinland ein zu einem

Jubiläumswochenende
8. und 9. September 2018,
Symposium und Festgottesdienst
Lukaskirche in Bonn.

Der Weltkirchenrat hat seinen Sitz in Genf. Höchstes Entscheidungsgremium ist die Vollversammlung, die ca. alle acht Jahre zusammentritt. Die zehnte und bisher letzte Vollversammlung fand 2013 in Busan/Korea statt. Zwischen den Vollversammlungen tagt jedes zweite Jahr der Zentralausschuss. Der ÖRK-Generalsekretär ist derzeit der norwegische lutherische Pastor Olav Fykse Tveit.

Aus einem Gebet von Dr. Agnes Abuom, Vorsitzende des ÖRK-Zentralausschuss, Kenia

Liebender Gott, wir danken dir für deine Kirche und die Gemeinschaft, die wir in der Ökumene erleben. Wir danken dir für den Mut und die Weisheit, die du unseren Vorvätern und -müttern gegeben hast. Gib uns die Inspiration und das Wissen, die Einheit deiner Kirche gemäß deinem Wunsch voranzutreiben: „Damit sie eins seien, damit die Welt glaube“.

Aus der Botschaft der ersten Vollversammlung des ÖRK Amsterdam 1948, geschrieben von Cathleen Bliss:

Wir wollen Gott bitten, uns miteinander zu lehren,
dass wir ein echtes Nein und ein echtes Ja sprechen.
Ein Nein zu Allem,
was der Liebe Christi zuwider ist, zu jedem System, zu jedem Programm, zu
jedem Menschen, der einen anderen Menschen behandelt, als wäre er nicht
Gottes Geschöpf, sondern ein Stück Ware, dass man ausnützen kann.
Ein Nein zu denen,
die im Namen der Ordnung das Unrecht zum Recht machen, zu denen, die die
Saat des Krieges säen oder zum Kriege drängen, weil er doch unvermeidbar ist.
Ein Ja aber zu Allem,
was mit der Liebe Christi zusammenstimmt, zu allen Menschen, die das Recht
aufrichten, zu allen, die in der Welt einen echten Frieden schaffen möchten, zu
allen, die um des Menschen willen hoffen, kämpfen und leiden.
Ein Ja zu allen denen,
die – selbst ohne es zu wissen – sich ausstrecken nach einem neuen Himmel
und einer neuen Erde, in welcher Gerechtigkeit wohnt.

Pressemitteilung von Ursula Thomé, Pfarrerin im Gemeindedienst für Mission und Ökumene, Kontakt: thome@gmoe.de.

Weitere Informationen: www.gmoe.de

 

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