Besuch aus dem philippinischen Partnerkirchenkreis Agusan im Evangelischen Kirchenkreis Koblenz

Einsatz für die Wahrung der Menschenrechte ist Thema der dreiwöchigen Begegnung

Koblenz. / Agusan. Nach anderthalbjähriger Vorbereitung und wochenlangem Bangen um die Erteilung der Visa kommen Pfarrerin Jerusa Semacio, Pfarrer Jolly Tubo und Joseph Tumanlas, Direktor der Integrierten Gesamtschule des Evangelischen Kirchenkreises Agusan („Mindanao Institute“) auf der philippinischen Insel Mindanao Mitte August zu einem dreiwöchigen Austausch über die Menschenrechts-Situation auf den Philippinen und in Deutschland.

Neben Begegnungen mit dem Koblenzer Kreissynodalvorstand, dem Philippinen-Arbeitskreis und den Evangelischen Kirchengemeinden Maifeld/Polch (18.8), Oberwinter (25.8.) und Remagen (1.9.), stehen Besuche bei kirchlichen Einrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und Behörden von Boppard bis Berlin an.

Seit drei Jahren werden kirchlich und gewerkschaftlich engagierte Menschen auf den Philippinen von Präsident Rodrigo Duterte verhöhnt, bedroht und auf sein Geheiß hin ermordet. Am 2. August wurde ein Pfarrer aus dem Koblenzer Partnerkirchenkreis Agusan brutal getötet. Die hohen Erwartungen an Präsident Duterte, der vor drei Jahren im Wahlkampf Frieden mit politischen Gegnern sowie wirtschaftliche, soziale und ökologische Reformen versprach, sind Wut und Verbitterung gewichen. Ein Präsident, der in drei Jahren unter dem Vorwand der Drogenbekämpfung 30.000 unliebsame Bürgerinnen und Bürger ermorden ließ und sich damit immer wieder brüstete, ein Staatsoberhaupt, das Gott „dumm“ nennt und Papst Franziskus einen Idioten, ein Mann, der nach Amtsantritt alle Amtsinhaberinnen und -inhaber, die ihm nicht passten, feuerte, ist eine tägliche Bürde für die kirchlichen Partner. Sie leben zudem seit Mai 2017 unter Kriegsrecht. Besonders die Menschen in den Bergregionen leiden darunter. Sie werden im Interesse von Bergbaukonzernen aus ihren Dörfern vertrieben und müssen von Mitgliedern des Partnerkirchenkreises versorgt werden.

Pfarrer i.R. Wilfried Neusel, Vorsitzender des Philippinen-Arbeitskreises im Evangelischen Kirchenkreis Koblenz, merkt selbstkritisch an: „Bei uns scheint soweit alles in Ordnung zu sein. Bei näherem Hinsehen und Hinhören spüren allerdings auch wir Zukunftsängste, leiden unter Sozialabbau trotz der Lippenbekenntnisse zum sozialen Rechtsstaat und fragen uns, ob unsere Regierenden überhaupt noch Kontakt zur Bevölkerung haben.
In etlichen Gemeinden geht die Sorge um den Mitgliederbestand um, und manche flüchten sich in die Pflege frommer Selbstgenügsamkeit und vergessen, dass die biblische Botschaft auch eine gesellschaftspolitische Herausforderung ist.“

Während des Besuchs geht es deshalb um die Verständigung über die Bedeutung der Menschenrechte in Theorie und Praxis und um die Frage, wie die vielen hilfreichen Resolutionen der Vereinten Nationen zum Thema Menschenrechte in partnerschaftlicher Verbundenheit ein Stück weit eingeklagt und in der alltäglichen Praxis verwirklicht werden können.

Am 3. September gibt es Gelegenheit, ab 14 Uhr in der Superintendentur des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz (Mainzer Str. 81, 56075 Koblenz) an einem Bericht über den Ertrag der Partnerschaftsbegegnung teilzunehmen oder dort ab 19 Uhr bei der offiziellen Verabschiedung mit Reisesegen dabei zu sein.

Einladung zur Feier von Gottesdiensten mit den philippinischen Gästen

Sonntag,  18. August, 10.00 Uhr
Evangelisches Gemeindezentrum
Uhlandstr. 9, 56751 Polch

Sonntag,  25. August, 10.00 Uhr
Evangelische Kirche Oberwinter
Hauptstr. 80
53424 Remagen-Oberwinter

Sonntag, 1. September, 9.30 Uhr
Friedenskirche
Marktstr. 25, 53424 Remagen

Seit 33 Jahren partnerschaftlich verbunden

Der Evangelische Kirchenkreis Koblenz unterhält seit 1985 eine Partnerschaft mit dem Evangelischen Kirchenkreis Agusan der United Church of Christ in the Philippines (UCCP) auf der südlichsten Insel, Mindanao. Sie entstand aus persönlichen Kontakten einer Pfarrersfamilie, die ihre Erfahrungen aus einem längeren Auslandsaufenthalt in die Gemeindearbeit einbrachte und dort nachhaltig das Bewusstsein für die weltweite Gemeinschaft und Verantwortung der Christen füreinander weckte.

Die Partnerschaft ist vertraglich geregelt. Sie verpflichtet beide Partner unter anderem zu regelmäßiger Korrespondenz, einem jährlichen Partnerschaftsgottesdienst und gegenseitigen Besuchen. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass ökumenische Partnerschaft nicht in das Belieben der jeweils tätigen Verantwortlichen fällt, sondern eine dauerhafte Aufgabe ist.

Pressemitteilung: Wilfried Neusel. Redaktion: Katrin Püschel. Fotos: Philippinen-Arbeitskreis.

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