Alternative Fakten?

Von Pfarrer i. R. Rainer Bärwaldt

Von Pfarrer i. R. Rainer Bärwaldt
Evangelischer Kirchenkreis Koblenz

Das ist das Unwort des Jahres 2017. Eine treffende Wahl. In der Begründung heißt es: „Die Bezeichnung ist der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen.“

Ich finde, man könnte auch schlicht sagen: Es geht darum, Lügen als Wahrheiten auszugeben. Solche Täuschungsversuche gab es natürlich immer schon. Nichts Neues unter der Sonne. In den Jahrtausende alten 10 Geboten wird schon ermahnt: „Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!“ Falsch Zeugnis, Lügen-Alternative Fakten.

Warum also jetzt diese Aufregung, wo es doch um uralte Praktiken der bewussten Irreführung geht, um eigene Interessen durchzusetzen?

Wahrscheinlich widern einen diese Lügen an, weil sie so inflationär gebraucht werden, so offen unverschämt, unverbrämt, zigfach wiederholt in einer globalisierten Welt, die total medial vernetzt ist. Kaum in die Welt gesetzt, erscheinen sie Minuten später weltweit. Nicht etwa als Lügen bezeichnet, sondern vornehm als alternative Fakten deklariert. Der Begriff, eine dreiste Lüge in sich selbst.

Soll man sich darüber aufregen? Entschieden ja! Eigentlich wollte ich ein paar beschauliche Ausführungen über das Gebet von mir geben. Aber mein Unwille, mein Zorn, meine Wut ließen das nicht zu. Besonders die Sprüche Trumps über die Migranten aus den „Dreckslochstaaten“, um anschließend zu beteuern, er sei doch kein Rassist, brachten das Fass zum überlaufen. Ähnlich zuvor die unsägliche Rede Alice Weidels von der AfD als der „einzigen christlichen Partei, die es noch gibt.“ Angesichts der Flüchtlingsfeindlichkeit der AfD wahrlich „alternative Fakten.“

Lüge betreibt das Geschäft des Bösen. Sie zerstört das lebenswichtige Vertrauen in die menschliche Gemeinschaft. Sie fördert das Misstrauen als Prinzip. Wir brauchen keine „alternativen Fakten“. Wir brauchen wieder mehr den Mut zur Wahrhaftigkeit, auch wenn das manchmal unbequem ist und einem selbst schaden kann.