Waldtrek sucht Winter

Vallendar. Beim Winterwaldtrek der Evangelischen Jugend Vallendar in Kooperation mit dem Forstrevier Vallendar stellten sich neun Jugendliche und junge Erwachsene neuen Herausforderungen: Zwei Nächte im Wald mit minimaler Ausrüstung bei frostigen Temperaturen.

Material und Verpflegung wurden bei einem Vortreffen von den Jugendlichen selbständig zusammengestellt. Zuvor wurde gemeinsam beraten und verhandelt, auf welche Errungenschaften der Zivilisation verzichtet werden soll und unterwegs wurde ergänzt und improvisiert. Im Vordergrund stand die Suche nach geeigneten Biwakplätzen, windgeschützt und nah an überlebenswichtigen Ressourcen, wie z.B. Quellen mit trinkbarem Wasser und ausreichend trockenem Brennholz. Vom Sturm gefällte Fichten lieferten Material für die Bodenisolierung unter der offenen Zeltplane, so dass die Trekker sogar auf Isomatten verzichten konnten. Alle Feuer wurden archaisch mit dem Feuerbogen entzündet.

Biwak

„Dieses Setting bietet genug Stoff für elementare Erlebnisse, die eigenen Grenzen auszutesten und festzustellen, wie wenig man eigentlich braucht, um klar zu kommen. Diese Erfahrungen prägen sich tief ein und bilden die Grundlage für eine tiefere Verbindung mit der Natur und Verständnis für ihre Kreisläufe“ so Immo Meyer, Jugendleiter der Evangelischen Jugend Vallendar und Wildnispädagoge.

„Alles, was jemand tut oder lässt hat unmittelbare Auswirkungen auf Individuum und Gruppe. Wenn einer schwitzt oder friert ist Pause für alle, bis alle wieder im grünen Bereich sind. Weil eine Person, die ihre Grenzen überschreitet, das Wohlergehen der Gruppe gefährdet. Kann jemand nicht weiter, weil er nicht klar kommt, schafft es die Gruppe nicht zu einem guten Übernachtungsort und verbringt eine ungemütliche Nacht. Diese Logik leuchtet allen ein und braucht nicht diskutiert werden. Das gilt für alle Waldtreks, im Winter werden Selbstüberschätzung und Fehlentscheidungen aber existenzieller erlebbar, weil Kleinigkeiten ausreichen, um den grünen Bereich zu verlassen. Auf sich selbst achten und Bedürfnisse kommunizieren steht deshalb an erster Stelle. Effekte stellen sich von selbst ein, weil es sich nicht um ein arrangiertes pädagogisches Setting handelt, in dem alles hinterfragbar und verhandelbar ist. Entgegen dem medial bevorzugten Bild eines Kampfes gegen die feindselige Natur in einer Survival-Situation, wird sehr schnell klar, dass es darum geht, sich als Teil von ihr zu verstehen und sich anzupassen. Die Teilnehmenden werden ruhiger. Wenn es dunkel und kalt wird, geht’s ohne Angst, was zu verpassen in den Schlafsack. Eine Tasse heißer Tee und ein selbsterarbeitetes fettes Wildschweinrippchen schmecken, zumindest situativ, besser, als das raffinierteste Sonntagsmenü, fertig serviert. Und in der Stille, wenn die Grundbedürfnisse nach einiger Arbeit sicher gestellt sind, öffnet sich die Wahrnehmung für Kleinigkeiten, z.B. die Schönheit eines Schneekristalls. Danach mussten die Trekker zunächst suchen. In der ersten Nacht lagen die Temperaturen grade am Gefrierpunkt. 100 Meter höher hat es mit dem Schnee in der zweiten Nacht dann geklappt.“

„Wach zu werden in einer Schneelandschaft, die direkt neben dem Schlafsack beginnt, ist etwas ganz Besonderes und fühlt sich sehr lebendig an“, freut sich Teilnehmer Max Bauch langjähriger Waldtrekker und inzwischen FSJler auf einem großen Pfadfinderzeltplatz.

Der Winterwaldtrek ist Bestandteil einer kontinuierlichen Veranstaltungsserie der Evangelischen Kirchengemeinde und des Forstreviers Vallendar. Mit dem wald- und wildnispädagogischen Gesamtkonzept der Veranstaltungsserie sollen Jugendliche und junge Erwachsene wieder in eine emotionale Beziehung mit der sie umgebenden Schöpfung gebracht werden. Langfristig soll das Verständnis für Nachhaltigkeit, das Denken in komplexen ökologischen Zusammenhängen und globales Verantwortungsgefühl gefördert werden.

„Den Wald mit seiner Vielfalt als eine nachhaltig zu bewahrende Mischung aus Natur-und Kulturlandschaft zu erleben und zu begreifen und dabei an den selbstgewählten Herausforderungen und getroffenen Entscheidungen zu wachsen, ist wesentliches Ziel der Veranstaltung“ erläutert Achim Kern, Revierförster aus Vallendar, diese Schnittstelle von Jugendarbeit und Umweltbildung.

Dazu besteht 2018 noch zweimal die Gelegenheit, beim klassischen Waldtrek im Mai und beim Wildniscamp für Jungs in den Herbstferien. Ab Ende März gibt es die Flyer auf der Homepage www.kinderferienspiele.de der Evangelischen Jugend Vallendar.

Pressemitteilung: Immo Meyer. Fotos: Evangelische Jugend Vallendar.

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