Liebevolle Neugierde und wohlwollendes Interesse sind gefragt

Ökumenische Telefonseelsorge Mittelrhein sucht Ehrenamtliche

Koblenz. Elf Ziffern, drei Freizeichen und eine angenehme Stimme, die fragt: „Telefonseelsorge Mittelrhein, hallo! Was kann ich für Sie tun?“ Seit mehr als 50 Jahren gibt es die ökumenische Telefonseelsorge Mittelrhein mit Sitz in Koblenz. Zumeist arbeiten die ehrenamtlichen Zuhörerinnen und Zuhörer im Verborgenen.

Doch bei dem Informationsabend am 10. August im Café Atempause an der Christuskirche in Koblenz zeigte sich der Vorstand des Vereins mit der Vorsitzenden Dr. Doris Caspers und die hauptamtlichen Mitarbeitenden Diplom-Sozialpädagoge (FH) Ulrich Heinen und Pfarrerin Carmen Tomaszewski und zwar aus einem guten Grund: Die Telefonseelsorge benötigt Verstärkung in ihrem Team aus 70 Ehrenamtlichen.

Die Telefonseelsorge hat täglich 24 Stunden ein offenes Ohr für Menschen in unterschiedlichsten Krisensituationen. Damit das auch in Zukunft so bleibt, bietet sie interessierten Frauen und Männern eine kostenfreie qualifizierte Ausbildung zum Telefonseelsorger bzw. zur -seelsorgerin. Nur durch eine hohe Zahl an Freiwilligen ist die Erreichbarkeit gewährleistet, ohne mit einer Überbelastung der Ehrenamtlichen einherzugehen.

Das Leitungsteam gibt den Interessierten gerne einen Einblick in die Arbeit. Die Ausbildung erstreckt sich über eineinhalb Jahre und etwa 120 Ausbildungsstunden, die in Tages- und Abendseminaren organisiert werden. Hinzu kommen mindestens 20 passive und weitere 20 Stunden aktive Hospitation im Telefondienst. Voraussetzungen sind die Mitgliedschaft in einer Kirche, die der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) angehört, eine gewisse Sprachfähigkeit, eine liebevolle Neugierde und ein wohlwollendes Interesse an anderen Menschen, erklären die Verantwortlichen. Ein spezielles Wissen oder eine Ausbildung müsse man nicht mitbringen. „Wir suchen Menschen Mitten aus dem Leben“, erklärt das Leitungsteam. „Der Dienst am Telefon kann auch an eigenen Baustellen rühren, die man vielleicht bislang noch gar nicht kannte“, erwähnt die Pfarrerin eine Herausforderung der Ausbildung.

120 bis 130 Stunden im Jahr sollten nach dem Lehrgang am Telefon geleistet werden, inklusive fünf Nacht- und fünf Sonn- bzw. Feiertagsdienste. Ein Dienst ist in der Regel vier Stunden lang, die Nachtschicht kann auch acht Stunden dauern.

„Wir setzen auf die Selbsteinschätzung der Teilnehmenden, denn nur diese wissen, ob sie das Pensum leisten können. Viele merken selber, ob die Telefonseelsorge zu ihnen passt“, weiß Heinen, der den katholischen Part des ökumenischen Angebotes bildet.

Ausbildungsinhalte sind auch Glaube und Religiosität. „Manche Anrufer fragen gezielt nach diesen Themen und da ist es wichtig zu wissen, wo man selbst steht“, begründet Doris Caspers. „Seelsorge ist ein kirchlicher Begriff, der gefüllt werden muss. Er steht für zuhören und begleiten. Es muss kein Ziel erreicht werden“, definiert Heinen. Dies unterscheide eine Therapie von einem Seelsorgegespräch. „Es sind keine Patienten, die bei uns anrufen. Wir respektieren und akzeptieren die Anruferinnen und Anrufer so wie sie sind.“ Die Seelsorge sei eine Begegnung zweier Menschen mit einer Offenheit zu einer höheren Dimension, fügt die evangelische Pfarrerin hinzu.

Zudem lernen die Teilnehmenden auch zu differenzieren: Handelt es sich um ein Trauma? Ist es nötig, die Person weiterzuvermitteln? Weitere Ausbildungsinhalte sind Selbsterfahrung, Methoden des beratenden Gesprächs und zentrale Beratungsthemen wie Sucht, Tod, Gewalt und Trennung.

Für Doris Caspers sei die Ausbildung, aber auch die ehrenamtliche Arbeit eine große Bereicherung und ein persönlicher Erfahrungsgewinn – auch wenn es nicht immer einfach wäre. „Es gibt auch Menschen, die keine Lösung finden, das muss man aushalten können“, sagt Carmen Tomaszewski.

Die ökumenische Telefonseelsorge wird vom Bistum Trier, dem Evangelischen Kirchenkreis Koblenz und dem Verein „Telefonseelsorge Mittelrhein" getragen. Die Telefonseelsorge arbeitet im Verbund mit mehreren Telefonseelsorge-Stellen in Rheinland-Pfalz.

Als Bewerbung für den Lehrgang reicht zunächst ein kurzes Anschreiben mit tabellarischem Lebenslauf und Foto per E-Mail oder per Post. „Momentan besteht die Gruppe zu 85 Prozent aus Frauen. Wir freuen uns daher sehr über Männerzuwachs“, erklärt Heinen.

Der nächste Ausbildungskurs startet am Samstag, den 28. Oktober. Nähere Informationen zum Bewerbungs- und Auswahlverfahren gibt es unter www.telefonseelsorge-mittelrhein.de.

Zu erreichen ist die Telefonseelsorge unter Telefon 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222. Der Anruf ist kostenfrei und das absolut anonym – für die Nutzer wie für die Mitarbeitenden.

Pressemitteilung und Foto: Bischöfliche Pressestelle Trier, Redaktion Koblenz.

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